Archive for August, 2005

Heiliger Joschka

Montag, August 29th, 2005

Heiliger Joschka

In der Kirche des Heiligen Apollinarus in Rom lächelt einem milde die Büste Joschka Fischers entgegen. Hat der deutsche Papst seinen Vorgänger im raschen und häufigen Seeligsprechen übertreffen wollen? Zum Glück nicht. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Büste um Joschkas Doppelgänger aus dem 18. Jahrhundert: Fulgentius Bellelli. Zitat aus dem Spiegel-Artikel:

Der 1713 verstorbene Theologe sei, so die Inschrift, “von angenehmem Charakter und sichtbarer Frömmigkeit” gewesen. Insofern bleibt als einzige Gemeinsamkeit der Hang zum Gedruckten. Bellelli war Leiter der päpstlichen Bibliothek. Fischer jobbte in der Karl-Marx-Buchhandlung in Frankfurt am Main.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gefühlte Erfolge

Montag, August 29th, 2005

Ich habe mich schon oft gefragt, warum die meisten Menschen wirklich zu glauben scheinen, Fischer sei ein herausragender Außenminister und -wie ein Freund mir neulich erklärte – Schröder auf dem internationalen Parkett so sehr geschätzt. Jan Ross erklärt dies nun in der Zeit in seinem Beitrag “Im Namen der Pose“: (weiterlesen…)

Merkels Werte

Freitag, August 26th, 2005

Bei einem Wahlkampfauftritt vor wenigen Tagen in Kiel warnte Jürgen Trittin die wenigen Zuhörer, die CDU der Angela Merkel sei nicht mehr die CDU Helmut Kohls, die noch für bürgerliche Werte gestanden hätte. Lustig war daran auf jeden Fall, dass Trittin die Ära Kohl auf einmal als ein positives Beispiel einführte. Der Vorwurf, die CDU von Angela Merkel stehe nur noch für kalten Neoliberalismus, findet sich aber häufiger. So meinte Ulrike Murmann, Pröbstin in Hamburg, bei Sabine Christiansen, Kinder würden im Regierungsprogramm der CDU zu sehr unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen werden.

Um so interessanter ist ein Interview, dass Angela Merkel dem Rheinischen Merkur gab. Nur am Rande geht es darin um die Wirtschafts- und Finanzpolitik, dafür führt Angela Merkel ihre ethischen Grundpositionen aus. (weiterlesen…)

Wahlhilfe

Freitag, August 26th, 2005

Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg zu Neuwahlen frei gemacht. So langsam kann man sich also Gedanken machen, wem man diesmal seine Stimme gibt.

Neben der ‘klassischen’ Variante, dem Wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung , hilft einem auch der Wahlcomputer der Surfpoeten bei der Entscheidung. Unterhaltsam ist diese Variante, da auch die kleineren Parteien berücksichtigt werden. Die größten Übereinstimmungen habe ich demnach (ja, es hat mich überrascht) mit der CDU, danach folgen CSU, FDP und die Zentrums Partei. Abgeschlagen auf den letzten Plätzen finden sich die Feministische Partei – Die Frauen, die Partei für soziale Gleichheit, WASG und PDS. Durch welche Antwort ich es aber verdient habe, eher die Anarchistische Pogopartei Deutschlands wählen zu können, als die Grünen, ist mir ein Rätsel.

Die dritte Alternative: Die Wahlhilfe von Focus Online.

Modische Kopfbedeckung

Dienstag, August 23rd, 2005

Tuch

Das Magazin “Zenith” nimmt auch auf die modebewusste unterdrückte Frau Rücksicht. Auf der Homepage des Magazins für den Orient kann man die aktuellsten Trends der Kopftuchmode bewundern. Oben auf dem Bild sieht man den Typ “klassisch”. Zitat dazu:

“Frauen jeden Alters tragen die klassische schwarze Variante, auch bekannt als ‘das kleine Saudische’. [...] Wenn fremde Männer anwesend sind, können die Augen verhüllt werden. Dazu stehen der Frau drei Sichtschutzfaktoren zur Verfügung. Komplett wird das Ensemble mit schwarzen langen Handschuhen. Auf effektvolles Make-Up muss übrigens nicht verzichtet werden.”

Stimmungsmache

Mittwoch, August 17th, 2005

Spiegel Online ist ja schon vor längerem in den Wahlkampf gegen Schwarz-Gelb eingetreten. Am Anfang haben sie sich v.a. noch mit häßlichen Blusen von Frau Merkel befasst. Irgendwann laufen sich aber auch solch faszinierenden Themen tot.

Jetzt befasst sich der Spiegel also mit Sachthemen: Dem Kompetenzteam von Angela Merkel. Ein interessanter Post, wie hier nun Stimmung gemacht wird, findet sich bei Statler & Waldorf.

Stoiber vs. Merkel

Dienstag, August 16th, 2005

Bei No-Panic gibt es einen kleinen Rap-Streit zwischen Stoiber und Merkel. Ich finds ganz lustig.

Warum will die SPD gewinnen?

Montag, August 15th, 2005

Ich habe gestern kurz in den Sabine Christiansen Chat reingeschaut. Hans Ulrich Jörges, stellv. Chefredakteur des Sterns, hat Fragen der Zuschauer beantwortet. Die Frage des Nutzers tjey sollte tatsächlich viel häufiger gestellt werden, die Absurdität des Wahlkampfs der SPD wird dann deutlich:

tjey: Warum wird nie angesprochen, WARUM die SPD eigentlich gewinnen will? Was wäre bei einem Sieg anders als heute?

Hans-Ulrich Jörges : Jede Partei will gewinnen. Aber die SPD kann nicht mehr gewinnen. Sie kann nicht mehr stärkste Partei werden. Der Wahlforscher Manfred Güllner hat errechnet, dass die SPD im besten Fall 33 % erreichen könnte. Güllner ist ein Berater Schröders. Theoretisch betrachtet: Wenn die SPD dennoch gewinnen würde, wäre nichts anders als in der Vergangenheit. Schröder hätte innerparteilich mit großen Widerständen, noch größeren sogar als in der Vergangenheit, von Seiten der Parteilinken zu rechnen. Und die Unionsmehrheit im Bundesrat gäbe es noch immer.

Auffällig mehr Straftaten

Sonntag, August 14th, 2005

Zu den Äußerungen Schönbohms ein Artikel aus der Welt. Zitat:

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wurden 2003 insgesamt 662 685 Straftaten registriert – bezogen auf die Einwohnerzahl fast 20 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Dabei sind diese Länder mit 93 Einwohnern je Quadratkilometer (Deutschland: 231) nur dünn besiedelt – typisch ist eine höhere Kriminalität in Ballungsräumen. Auch der Ausländeranteil ist mit 2,3 Prozent (Deutschland: 8,9) verschwindend gering. Eigentlich müßte auch das die Statistik entlasten.

Altbewährt

Sonntag, August 14th, 2005

“Nehmt die militärischen Optionen vom Tisch, wir haben erlebt, dass sie nichts taugen.” hat Schröder auf einer Wahlkampfveranstaltung in Richtung George W. Bush gerufen. Wo er genau gesehen haben will, dass die nichts taugen, ist mir zwar ein Rätsel: Im Irak macht die Bildung einer demokratischen Regierung weiter Fortschritte und auf die Leistungen in Afghanistan und auf dem Balkan sind ja auch Schröder und Fischer (letzter betonte es neulich noch einmal auf einer Wahlkampfveranstaltung) angeblich sehr stolz.

Aber das Thema ist natürlich gut. Weil der amerikanische Präsident das einzig Mögliche gesagt hat, nämlich dass er für eine friedliche Lösung im Irankonflikt ist, aber als letzte Option natürlich einen Militäreinsatz nicht ausschließen kann, kann man nun die bewährte verlogene Friedensrethorik anwenden, mit der man schon 2002 zwar die Tatsachen verdreht hat, wer das zu bekämpfende Terrorregime sei – der Irak oder die USA – aber mit diesen antiamerikanischen Parolen die Wahl gewonnen hat.

Jetzt muss man sich gemeinsam mit Spiegel & Co. nur noch weitere vier Wochen darüber aufregen, dass Stoiber sich darüber wundert, warum die SED-Nachfolgepartei auf einmal wieder so erfolgreich im Gebiet der ehemaligen DDR sein kann. Über die unglaubliche Beleidigung der ostdeutschen Wähler kann man sich dann genüsslich ereifern, während man sich sicher ist, dass auch der Dümmste hier viel klüger sein muss, als der klügste Amerikaner, die haben ja den Bush gewählt, den alten Cowboy.

Tja, dann: Auf weitere vier Jahre rot-grün. Und auf den großen Vorteil, den wir gegenüber der DDR haben: Wir können auswandern!