Archive for Januar, 2006

Auch du, mein Google

Sonntag, Januar 29th, 2006

Google-Handschellen

Yahoo machts schon, MSN auch. Und nun auch Google: Für den chinesischen Markt werden die Suchergergebnisse nur gefiltert präsentiert. Man findet weder zu Tienanmen noch zu Amnesty International noch zu Demokratie etwas.

Hier zeigt sich eine Grenze dessen, was Marktwirtschaft leisten kann. In freiheitlichen Gesellschaften ist auch Moral ein Wirtschaftsfaktor: Ein schlechtes Image kann eine Firma ruinieren. Aber was passiert, wenn ein solches gewinnorientiertes Unternehmen in einer Diktatur aggiert? Moral ist dann nur noch eine Behinderung auf dem Weg zu einem gewaltigen Markt. Yahoo hatte das zugegeben. Das macht es nicht besser, ist aber sicherlich weniger peinlich als Googles Versuch, die Einschränkung der Suchergebnisse als Kompromiss für den chinesischen Surfer zu verkaufen:

In China verlas ein Google-Sprecher – dramatisch darauf hinweisend, dass er zum Schutze der eigenen Person und der knapp 50 chinesischen Google-Angestellten anonym bleiben müsse und so oder so nur ein schriftliches Statement verlese – eine Erklärung, die den Schritt zum “Mitmachen” als Dienst am chinesischen Surfer deutet.

“Während die Entfernung von Suchergebnissen nicht mit den Zielen von Google zu vereinbaren ist”, hieß es da, “verträgt es sich noch weniger mit unserem Auftrag, keine Informationen zur Verfügung zu stellen (oder eine so stark eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit, dass dies auf die Nicht-Zurverfügstellung von Informationen hinausläuft). Google.cn wird den Internetnutzern in China bedeutende Vorteile bieten.”

(Quelle: Spiegel Online; die Grafik hab ich bei Michelle Malkin gefunden.)

Siehe dazu auch “Google zensiert in China” im Blog von Stefan Jahn.

Stumm studieren

Samstag, Januar 28th, 2006

Ein Pastor soll das Evangelium verkünden. Luthers “solo verbo” kann dabei in der Nordelbischen Kirche in Zukunft wohl nicht mehr gelten. Immer mehr Stumme beginnen hier ihr Theologiestudium. Nur so lässt sich erklären, dass es in der aktuellen Ausgabe der Zeitung der Theologiestudierenden Nordelbiens schon einen eigenen “Bericht der Sprechenden” gibt.

Letzte Woche

Samstag, Januar 28th, 2006

Ein paar Tage habe ich die Autobahnen der Republik erkundet (und zwar die A2, 3, 7, 9, 14, 38, 72, 93, 143 und 215). Zu zwei Dingen, die in der Zwischenzeit die Nachrichten beherrschten, noch Verweise auf interessante Artikel:

Der Papst hat seine erste Enzyklika veröffentlicht. Sie wird im Allgemeinen gelobt, doch offensichtlich auch nicht verstanden. So urteilt Matthias Kamann in der Welt, dass auch Atheisten der Enzyklika in weiten Teilen zustimmen könnten. Das stimmt nur, wenn die Argumentation des Papstes ignoriert wird: Die Nächstenliebe ist nur aus der Gottesliebe zu verstehen und zu begründen. Diese Grundlage der Enzyklika hebt Rudolph Zewell im Rheinischen Merkur hervor.

Update: Die Hauptüberlegungen der Enzyklika finden sich bei kath.net von Benedikt XVI. prägnant und verständlich zusammengefasst.

Aus den Wahlen in Palästina ging die Hamas als Sieger hervor. Und UNO und Europa brachen – wie meist – ein. Wurde sie (die Hamas) vor der Wahl als Terrororganisation erkannt, so hieß es nun man könne auch mit dieser “Partei” zusammenarbeiten. Einen guten Kommentar hat Christian Ultsch in der österreichischen Presse verfasst:

Die Palästinenser hätten sich keinen größeren Schaden zufügen können, als ihr Kreuz bei der Hamas zu machen. Was in den Wahlzellen zwischen Gaza und Ramallah vor sich ging, gleicht einem kollektiven politischen Selbstmord. Die Palästinenser haben sich selbst um ihre Zukunft gebracht. Und wenn Mahatma Gandhi auferstünde, zum Judentum überträte und die Knesset-Wahlen gewönne: Mit der Hamas wird auf absehbare Zeit keine wie immer geartete israelische Regierung Friedensverhandlungen führen, und mag sie noch so links sein.

(Via Politically Incorrect)

I'm a model, you know what I mean

Samstag, Januar 21st, 2006

Bei Schlaflos in München hab ich gerade von der Seite myheritage.com gehört. Anhand eines hochgeladenen Fotos wird einem dort die Ähnlichkeit mit Berühmtheiten errechnet.

Tja, was soll ich sagen: Am ähnlichsten sehe ich Natalie Portman (67%) und Antonio Banderas (59%), auch Elemente von Pierce Brosnan und Leonardo DiCaprio finden sich offensichtlich bei mir.

Mh, ich schein ja unglaublich schleimig zu sein… :-o aber was solls: Ich bin ein Sexobjekt! :-)

Update: Mein Mitbewohner sieht aus wie Audrey Hepburn. Verblüffend!

Sonderangebot

Samstag, Januar 21st, 2006

Ich hab heute Google AdSense neu eingerichtet – v.a. um nicht mehr eine Standarddauerwerbefläche für die Mormonen zu sein. Viel gebracht hat es noch nicht: Nun erscheinen originelle Esoteriklinks. Ich arbeite aber dran.

Das Lustige ist, vor kurzem habe ich über ein ganz ähnliches Thema eine Predigt geschrieben:

Die Frage: Auf der einen Seite ist es klar, dass die Kirche kein Unternehmen ist, das werben sollte wie irgendein Dienstleister. Auf der anderen Seite: Kann man dieses Werben, diese Bereiche des “Kundenfangs” deshalb den Sekten und Esoterikern überlassen?

Diese Frage, ob man denn nun als Kirche werben, ob man sich rühmen solle, ist nicht neu, auch Paulus hat sich schon mit ihr beschäftigt. Seine Antwort:

Der Herr hat mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Mißhandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

Also hoffe ich nicht auf Werbeanzeigen der Landeskirchen bei Google, sondern packe weiter die Sekten in den Ausschlussfilter. :-)

Nicht rausfallen sollte aber das einmalige ebay-Schnäppchen, das Freude im Sonderangebot verspricht.

Wer da nicht zugreift ist doch selbst schuld.

(Ich weiß, diese lustigen Verdreher in ebay-Anzeigen sind nicht sehr neu – aber lustig!)

Deutschlands ganz eigene Welt

Freitag, Januar 20th, 2006

Mit dem Eintritt in die Große Koalition hat sich auch die Union einer Weichspülung unterzogen.

In der Innenpolitik fühlt man sich an die rot-grüne Vorgängerregierung erinnert, nur war die wohl manchmal noch mutiger. Klar, Reformen stehen auf dem Banner der Regierung, aber man dürfe den Bürger nicht überfordern, die Reformen müssten vermittelbar bleiben.

Man stelle sich diese Argumentation mal bei einer Privatperson vor: Hoffnungslos verschuldet ginge ich zu meiner Bank und würde dieser erklären, dass ich weiterhin mein Geld verprassen wolle, da mich eine radikale Umstellung echt total überfordern würde und ich mir selbst das zur Zeit nicht vermitteln könne.

In Deutschlands ganz eigener Welt geht das.

Auch Außenpolitisch scheint man auf Kontinuität zur Vorgängerregierung zu setzen, in der Union wenigstens ohne Antiamerikanismus. Aber Friedensengel wollen wir Deutschen bleiben, auch wenn das nur heißt: Sich aus der Verantwortung stehlen.

Am Anfang hieß es in den Medienberichten immer nur “die Amerikaner” fürchteten, dass der Iran versuche Atomwaffen herzustellen – antiamerikanische Reflexe konnten so gut greifen. Nun, in der Zwischenzeit ist die Wortwahl des iranischen Präsidenten so platt geworden, dass es auch der dümmste Bauer nicht mehr leugnen kann: Das scheint ein Konfrontationskurs zu sein und so fürchten nun “Amerikaner und Europäer”, dass der Iran versucht Atomwaffen zu produzieren. Ein Fortschritt? Ein kleiner. Denn gelernt hat man in Deutschland dennoch nicht viel. Chiracs Versuch, Handlungsfähigkeit durch eine Drohkulisse zu bewahren, wird in Berlin über Parteigrenzen hinweg abgelehnt. Konzepte, wie einem Terrorregime zu begegnen ist, wenn Verhandlungen scheitern, werden nicht genannt.

In Deutschlands ganz eigener Welt muss man Dinge nicht zu Ende denken.

Nun hat Michael Stürmer hoffentlich Recht, wenn er in der Welt schreibt, dass Chiracs Verdienst schon darin liegt, dass er auch den Deutschen die Diskussion über ein handlungsfähiges Europa aufzwingt. Angenehm erscheint das Modell des französischen Präsidenten nicht. Aber wohl alternativlos:

Es geht um Abschreckung und Eskalationsfähigkeit. Mehr noch: Es geht um den Versuch – in der Sprache Clausewitz’ -, den Kräften des Chaos das Gesetz zu geben und Frieden zu erzwingen, wenn er sich nicht durch Verhandlung und Verträge machen läßt. Chirac will damit der nuklearen Waffe wieder jene strukturbildende, stabilisierende Kraft verleihen, die sie im Zeitalter der nuklearen Bipolarität einmal hatte. Die Bedingungen allerdings haben sich radikal geändert: statt Schachbrett wildes Würfelspiel. Da senkt die Chirac-Doktrin die nukleare Schwelle. Ist das gut? Nein, aber unausweichlich.

Update: Gerade erst gelesen: “Liebe Nachbarn” bei A New European.

Gesinnungstest

Donnerstag, Januar 19th, 2006

Der baden-württembergische Gesinnungstest stieß im Bundestag heute auf breite Ablehnung. Der Antrag der Grünen, dass die Bundesregierung auf eine Änderung dieses Fragebogens in Baden-Württemberg hinwirken sollte, fand aber keine Mehrheit.

Ob der katholische Autor in diesem Forum wohl im Sinne des baden-württembergischen Innenministeriums geantwortet hat:

Frage: Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?

Ich halte das für äußerst unwahrscheinlich, da ich darauf achte, erzieherisch einer solchen verhängnisvollen Fehlentwicklung vorzubeugen. In diesem also rein theoretischen Fall würde ich selbstverständlich zunächst ein eindeutiges Verbot aussprechen. Ein sodomitischer Konkubinat ist keine reale Denkmöglichkeit, sondern wäre schwere Sünde und ist daher vollständig abzulehnen. Über das Verbot und eine theologische und sittliche Klärung hinaus müßte ich mich natürlich auch dem Umstand stellen, daß mein Sohn Hilfe benötigte, und zwar seelsorglicher ebenso wie psychotherapeutischer Art. Solche Hilfe würde ich mich bemühen ihm zu verschaffen.

Frage: In Deutschland haben sich verschiedene Politiker öffentlich als homosexuell bekannt. Was halten Sie davon, daß in Deutschland Homosexuelle öffentliche Ämter bekleiden?

Ein Greuel. Die himmelschreiende Sünde öffentlich inthronisiert. Eine Katastrophe für Land und Volk.

Oder wird er jetzt ausgewiesen? :-)

Oh alte Burschenherrlichkeit…

Mittwoch, Januar 18th, 2006

Burschenschaftler dürfen weiterhin Mitglied der SPD werden.

Bin ich erleichtert!

What's the internet for?

Samstag, Januar 14th, 2006

Ich hab mich schon oft gefragt, was all die normalen Blogger eigentlich im Internet machen, nachdem sie ihre eigenen Blogbeiträge verfasst und andere Blogs kommentiert haben.

Das Musical “Avenue Q” gibt endlich die Antwort: The internet is for porn! (Why you think the net was born? Porn, porn, porn!)

Diesen großartigen Ohrwurm kann man sich in einem Ausschnitt auf der Avenue Q Seite ansehen (Für den Realplayer: DSL / Modem) oder komplett in einer Abwandlung auf World of Warcraft, den Text dazu gibts hier.

Also ich finds lustig.

(Und noch eine Werbung: Den Soundtrack zum Musical gibts bei itunes.)

Freude

Donnerstag, Januar 12th, 2006

Bevor ich in den Kommentaren zum vorigen Beitrag in eine Begeisterungsschleife gerate, drücke ich meine Freude über die Freude noch mal in einem eigenen Beitrag aus, in dem ich auf die Gegenstimme verweise, den aktuellen Beitrag “Darf ich das?“.

Ich wage es dabei nochmal mir Gedanken zu zwei Sachen zu machen und belege auch gleich meine Berechtigung. Gut, ich weiß, sie wird wohl dem strengen Blick der Kritiker nicht Stand halten (siehe Sir Winstons Artikel). (weiterlesen…)