Schröder: Eine Frage der Ehre

Gerhard Schröder war sieben Jahre Bundeskanzler.
Kurz vor seiner Abwahl wurde Gazprom gegründet, eine Firma, die mehrheitlich dem russischen Staat gehört und eine Gas-Pipeline von Rußland durch die Ostsee nach Deutschland legen soll.
Kurz nach seiner Abwahl wurde Schröder Aufsichtsratschef bei Gazprom.

Heute ließ er FDP-Chef Westerwelle gerichtlich verbieten, zu sagen, er habe Gazprom während seiner Amtszeit “in Auftrag gegeben”.
Außerdem sagte er, er habe nichts davon gewußt, dass der russische Gas-Riese eine Kreditbürgschaft des deutschen Staates (900 Millionen Euro) bekam, als er, Schröder, noch Kanzler war.

Genug! So kommen wir nicht weiter! Schröders Ruf ist vollkommen ruiniert.

Natürlich müssen alle denken: Schröder und Putin, die superdicken Freunde erschufen Gazprom, dann bekam Schröder den tollen Job und der Russe die Bürgschaft.
Aber darüberhinaus: Als ehemaliger Staatschef eines so großen und erfolgreichen Landes wie Deutschland heuert man doch nicht einfach bei den Russen an! Da zieht man sich zurück, gibt Ratschläge, Interviews oder eine Zeitung heraus, aber man geht einfach nicht in den Dienst eines fremden Staates.

Man stelle sich vor: Bush demnächst für China tätig, Blair für den Kongo, Chirac für Ägypten… Das würden diese Männer doch nie tun, nicht für alles Geld der Welt.

Und warum nicht? Weil sie sehr Stolz auf ihr Land sind und auf den Job, den sie für dieses Land gemacht haben. Und genau dieser Stolz fehlt Schröder so vollkommen wie es vollkommener nicht geht. Keine Ehre im Leibe, sagte man früher dazu.

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2 Kommentare zu “Schröder: Eine Frage der Ehre”

  1. Rode sagt:

    Ist die Frage nicht eher die, ob Idealisten und Visionäre oder Pragmatiker einen Staat regieren sollten.
    Schröder fehlt es m.E. an Idealen, so konnte er weder “durchregieren”, noch Reformen durchsetzen. Ohne Ideale fehlte es aber offenbar auch an einem Maßstab zur Selbstbeurteilung. Nach dem Willen zur Macht kam das Geld, beides sind als Ideale Krüppel (vielleicht weil sie keinen Sättigungspunkt haben). Wenn da nicht die Sozialdemokratie von ihrem vermeintlich besten Mann verraten wurde…
    Karrieren der pragmatischen Postmoderne: Vom steinewerfenden Establishment-Hasser zum Elite-Universitätsprofessor und vom fußballspielenden Proletarier zum Aufsichtsratsvoristzenden in der Ölindustrie!
    Völker hört die Signale!

    …und nur nebenbei, Stolz und Ehre sind nur Sekundärtugenden und als solche korrumpierbar. Daher sind sie als Ideale einer Gesellschaft nicht zureichend.

  2. [...] Spielchen um den Endkundenmarkt, Gaspreise und Lieferverträge soll uns dann ja bald die Schröder Pipeline [...]

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