Archive for Juni, 2006

Endlich Vollbeschäftigung!

Freitag, Juni 23rd, 2006

Ich war gegen die Jamaika-Koalition. Die Grünen, meinte ich, wären das eigentliche Problem der schröderschen Regierung. Wären sie nicht mehr dabei, würde alles besser. Das stimmt aber gar nicht.

Seit gut acht Monaten ist die Partei der besserverdienenden Gewissensberuhiger in der Opposition. Und es wird dennoch nicht besser. Ja, in der Außenpolitik, da vielleicht. Doch das ist auch nicht erstaunlich. So viel Spaß beim Blick auf Deutschland dürfte der Rest der Welt schon lange nicht mehr gehabt haben: (weiterlesen…)

Hammer&Zirkel verbieten?

Freitag, Juni 23rd, 2006

In Ungarn ist das Hoheitszeichen der kommunistischen Diktatur verboten worden. In Deutschland hängt die Flagge der DDR ganz locker aus den Fenstern.

Ich bin eigentlich auch ein ganz lockerer Typ. Aber Symbolik nehme ich aus folgendem Grund sehr genau: Wenn wir die Freiheit, in der wir seit 16 Jahren auch im Osten Deutschlands leben, wirklich ernst nehmen und auch verteidigen wollen, dann verbietet sich der leichtfertige Umgang mit den Symbolen der Unterdrückung. Dieser Unernst in der Auseinandersetzung mit der DDR macht mich ganz unruhig.

Vielleicht hätte man 1990 auch in Deutschland die Fahne der Diktatur verbieten sollen.

Plötzlich hängt da die DDR-Fahne

Donnerstag, Juni 22nd, 2006

In Berlin flattert vor vielen Fenstern im Ost-Teil der Stadt die DDR-Fahne. Ja, das ist kein Witz. Kommt alle her und seht Euch diese Geschmacklosigkeit einmal aus der Nähe an!

Das kommt davon, wenn man 16 Jahre lang die Staats-Verbrechen des SED-Regimes verharmlost und dafür das Ampelmännchen verherrlicht. Die DDR war weder niedlich noch harmlos. Da wurde man eingesperrt, wenn man eine abweichende Meinung geäußert hat, da haben sie abgeknallt, wer das Land verlassen wollte. Alles schon vergessen? Vergessen zehntausende politische Häftlinge, vergessen 1135 Ermordete an der Mauer.

In seltener Einigkeit hängen sie Hammer und Zirkel aus dem Fenster, der alte Stasi-Major neben dem jungen PDS-Mann und alle möglichen anderen, die Dir plötzlich etwas von la dolce vita im Sozialismus erzählen. Au Mann, das hätte ich nicht für möglich gehalten!

Most wanted!

Samstag, Juni 17th, 2006

Die besten Fußballteams der Welt spielen in Deutschland gegeneinander, das größte Segelereignis der Welt hält Kiel in Atem, der klügste Ex-Außenminister der Welt geht als Gastprofessor nach Princeton

- und mich interessiert doch v.a. eins:

Ist Susanne Klickerklacker, das klügste Mädchen der Welt, eine Zeichentrickfigur oder eine Puppe?

Gibt es Beweisfotos?

Schwarz-Rot-Gold ist cool. Nur die Politik hat das noch nicht verstanden

Donnerstag, Juni 15th, 2006

Es bleibt also dabei: Berlins Polizeipräsident Glietsch (SPD) verbietet den Beamten, die Deutschlandflagge am oder im Dienstwagen zu zeigen. Man müsse “neutral” bleiben, wenn Hooligans aufeinanderprallen, begründet er seine Entscheidung.

In vielen anderen deutschen Städten, Frankfurt am Main zum Beispiel, ist das offenbar kein Problem: hier dürfen Polizisten Flagge zeigen, so viel sie wollen. Warum auch nicht? Sie leisten doch einen Eid auf die schwarz-rot-goldene Verfassung! (weiterlesen…)

Bloß kein viertes Tor!

Montag, Juni 12th, 2006

Es ist ja schon schwer zu ertragen, dass der Iran an der WM teilnehmen darf.
Nicht zu ertragen war der Co-Kommentator des Spiels Mexiko-Iran gestern bei RTL, Pierre Littbarski:

Ob er Angst um sein Leben oder eine hohe Wette auf Sieg für den Iran platziert hatte, wurde mir nicht klar. Seine Enttäuschung, dass die überlegenen Mexikaner das Spiel gewannen, konnte er zumindest nicht verbergen. Er wäre einfach für den “Underdog”, erklärte Litti, fand jeden gelungen Spielzug der Mexikaner “ausgesprochen schade”, bibbert ob die Mexikaner noch ein viertes Tor schießen könnnten und bangte, wann endlich abgepfiffen würde, die iranischen Spieler wären ja sichtlich erschöpft.

Einig waren sich die Kommentatoren, dass die Sympathien Beckenbauers gewiss auch auf Seiten des Irans lägen. Warum das so sein soll, wurde leider nicht gesagt.

Und auf einmal freut man sich über die Öffentlichrechtlichen, verzeiht dem ZDF die Planungen eines gebührenfinanzierten Freizeitparks und erträgt die etwas gewollt wirkenden Rap-Berichte der ARD.

Fußball in New York

Samstag, Juni 10th, 2006

Schweinsteiger takes a free kick and slides it over to Frings. No one’s near him and why should they be? He’s 40 yards from goal. He fires and it rockets into the upper-right corner of the net. Perfection. [...]

That’s it! A six-goal thriller, but ultimately Germany were far, far better.

Wer das Auftaktspiel noch mal nachlesen will, kann es beim WM-Blog der NY-Times.

Dort erfährt man auch, wo man die Spiele in New York am Besten verfolgen kann, oder dass mehr Mannschaften bei dieser Weltmeisterschaft von Puma eingekleidet werden, als von adidas oder Nike.

Im Bruderkrieg Rudolf gegen Adolf Dassler liegt letzterer nach dem gestrigen Spieltag vorn: Deutschland in adidas-Kluft spielte gegen Joma-Träger aus Costa-Rica. Polen, gesponsort von Puma, verlor gegen Ecuador im Marathon-Outfit.

Das Ärgernis des Kreuzes

Montag, Juni 5th, 2006

England-Fans

Ein frommer englischer Fußballfan. Keusch bedeckt sie ihre Brüste mit einem Kreuz. Es ist das Zeichen der Christenheit. Rot wie das Blut Jesu leuchtet es auf weißem Grund.

Gewagt – denn so ein offenes religiöses Bekenntnis provoziert natürlich. Die Briten mussten reagieren:

The Islamic protest forced some corporations, such as cable companies NTL, and even the Drivers and Vehicles Licensing Agency to ban the flag in every form due to fears from reactions of Muslims. [...]

The Sun said that a large pub network has banned drinkers from entering with symbols of the national team.

Noch unklar ist, ob die Mitarbeiter des Roten Kreuzes des Landes verwiesen oder nur unter Hausarrest gestellt werden.

Siehe auch: The Sun; Politically Incorrect; Euroneuzeit

Bildquelle: Sport1

Brüderlich mit Herz und Hand

Montag, Juni 5th, 2006

Franz Josef Wagner und Henryk M. Broder haben eines gemeinsam: Ihren meist virtuos geschriebenen Artikeln stimmt man entweder begeistert zu oder man regt sich auf, wie der Autor auf so wenig Zeilen so weit daneben liegen kann.

Freu ich mich meist über Broders Beiträge und wunder mich über Wagners Kolumne, so liegts bei der aktuellen Patriotismusdebatte anders:

Gekonnt beschreibt Broder die Beklemmung, die er bei deutschem Patriotismus bekommt und kann dabei auch Franz Josef Wagner als Zeugen der Gegenposition zitieren, der in seiner Bild-Kolumne das Buch “Wir Deutschen” von Matthias Matussek lobt.

Um dieses Buch geht es. Rechtzeitig zur WM legt der Spiegel-Kulturchef in ihm dar, warum er Patriot ist.

Ich habe es nicht gelesen und vielleicht hat Broder Recht, dass sich nichts Neues darin mehr findet, denn die Patriotismusdebatte ist ein echter Evergreen der deutschen Politik.

Aber, was Broder einwendet, zeigt, dass die alten Argumente doch immer wieder aufgezählt werden können. Denn Patriotismus ist nicht “die letzte Zuflucht, an die sich der Strauchdieb klammert” (Bob Dylan), sondern “Reformen und Patriotismus sind für mich zwei Seiten einer Medaille.” (Angela Merkel) (weiterlesen…)

Helmut Kohl hatte Recht

Freitag, Juni 2nd, 2006

Als Bundeskanzler Helmut Kohl 1986 ein nationales Museum bauen wollte, wurde er ganz heftig angegriffen. Er wolle gefährliche nationale Gefühle entfachen, warf ihm die Linke vor.

Kohl ließ sich nicht beirren. Gestern wurde das Deutsche Historische Museum im Berliner Zeughaus Unter den Linden eröffnet.

Und plötzlich sagen alle, daß Kohl Recht hatte. Auch Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit hat das gestern ausdrücklich eingeräumt.

Im Zeughaus wird ein Roter Faden durch das Großartige und das Grausame in unserer Geschichte gelegt. Wer als Deutscher in diesen Spiegel schaut, spürt Stolz und Scham zugleich. Ein aufwühlendes Erlebnis.