Archive for September, 2006

Islam-Konferenz geht in die Oper

Mittwoch, September 27th, 2006

Dieser Tag endet mit einer Farce: Die Teilnehmer der von den deutschen Innenministern einberufenen “Islam-Konferenz” wollen in Berlin eine Oper sehen, die eigentlich abgesetzt ist.

Es handelt sich um die Neuenfels-Inszenierung von Mozarts Idomeneo, die die Intendantin der Deutschen Oper vom Winter-Spielplan gestrichen hatte. Sie hatte die Oper gestrichen, weil in der Inszenierung die abgehackten Köpfe von Jesus und Mohammed zu sehen sind und sie vor möglichen gewalttätigen islamistischen Reaktionen gewarnt worden war.

Dafür, dass sie die Oper absetzte, wurde sie dann weltweit gescholten.

Was nützt uns der bevorstehende Besuch der Islam-Konferenz in der Deutschen Oper?
Nimmt er uns die Angst vor Anschlägen? Wird er etwas daran ändern, dass man, wie es zum Beispiel dem Papst wiederfuhr, inzwischen wie selbstverständlich zur Entschuldigung aufgefordert wird, wenn man eine islamkritische Äußerung getan hat? Ich glaube kaum.

Was ist denn in den Herrn Brüderle gefahren?

Sonntag, September 24th, 2006

Er bietet der SPD offen ein Bündnis auf Bundesebene an? Am liebsten noch mit den Grünen? Weil die Große Koalition mit den Reformen nicht vorankomme? Aber sie kommen doch aus Sicht der FDP gerade wegen der Blockade der SPD nicht voran! Weiter auseinander als diejenigen von FDP und SPD liegen keine Wahlprogramme in Deutschland, wenn wir mal die extremistischen Parteien ausnehmen.

Da werde draus schlau wer kann. Ich jedenfalls habe zum zweiten Mal in wenigen Wochen ein mulmiges Gefühl, wenn ich an unsere Freien Demokraten denke: Auch die Ablehnung des Bundeswehr-Einsatzes zum Schutze Israels war überhaupt nicht nachvollziehbar! Was treibt diese Partei und ihre Führung eigentlich um?

Kommt jetzt die Sterbehilfe in Deutschland?

Freitag, September 22nd, 2006

Der 66. Deutsche Juristentag in Stuttgart wäre beinahe meiner Aufmerksamkeit entgangen. Doch plötzlich beschäftigt er mich von morgens bis abends. Was bedeutet es für die Zukunft, so frage ich mich, dass dort die Mehrheit der Strafrechtler gefordert hat, den ärztlich assistierten Suizid auch in Deutschland durchzusetzen? Wenn ich bedenke, dass sich der Bundesgerichtshof bei seinen Grundsatzentscheidungen gern auf Argumentationen und Beschlüsse des Jusristentages zurückgreift, haben wir dann gestern und heute einer Revolution zugesehen?

Empörungsindustrie

Samstag, September 16th, 2006

Ein paar Monate wirds wohl noch dauern bis die weiß-gelbe Flagge des Vatikans bei Flaggen-Schlüter im Angebot ist.

"Wie man mit Fundamentalisten diskutiert…

Freitag, September 15th, 2006

… ohne den Verstand zu verlieren. Eine Anleitung zum subversiven Denken” ist ein Buch von Hubert Schleichert, in der beckschen Reihe erschienen, und mein Tipp für alle, die auch keine Lust mehr haben auf die Diskussion, ob gerade irgendwer irgendwo wieder einmal angebliche Vorurteile über Muslime verbreitet habe und sich dringend bei dieser ach so sensiblen Glaubensgemeinschaft entschuldigen müsste.

Als konstruktiver Beitrag: Ein Link zum Text der interessanten und bedenkenswerten Vorlesung von Papst Benedikt in Regensburg.

Warum ich keine Curry-Wurst mehr essen will

Sonntag, September 10th, 2006

Um es gleich vorweg zu sagen: Der bloße Gedanke an unser Nationalgericht macht mir großen Appetit. Ich liebe Curry-Wurst. Besser gesagt: Ich liebte sie, denn seitdem ich weiß, dass in Döner-Spießen Gammelfleisch aufgetaucht ist, traue ich auch den Würsten nicht mehr über den Weg. Und jetzt ist es so weit: Ich bestelle nur noch Pommes mit Majo oder Ketchup. Oder aber Öko-Würste, und mögen sie auch einen Euro mehr kosten!

Denn das ist es ja gerade: Wir sind Fleischpreise gewöhnt, die sich dem Brotpreis angenähert haben. Ein Kilo Schwein für 2,20 Euro! Wie soll das gehen? Ein Suppenhuhn kostet so viel wie ein Bus-Fahrschein.

Dabei geht es um lebendige Tiere. Die müssen aufgezogen, gepflegt, ärztlich versorgt, gefüttert, transportiert, geschlachtet und verarbeitet werden.
Seien wir ehrlich: Wir halten das für unser gutes Recht: Morgens Wurst und Schinken, mittags Kantinen-Braten, abends wieder Wurst und Schinken.
Auf jeder Party Grillfleisch bis zum Abwinken. Denn es kostet ja kaum was.
Dass es aber kaum was kostet, liegt daran, dass das Vieh in Massentierhaltung dahinvegetiert. Was unsere Dumping-Tiere zum Fressen bekommen, will ich lieber gar nicht erst fragen.
Freiland-Eier gibt es zwar überall, Freiland-Hühner aber kaum. Oder Freiland-Puten, Freiland-Schweine. Warum stehen die Bullen dumpf im Stall und dürfen nicht auf die Weide? Weil dann die Preise steigen!

Gutes Fleisch ist teuer? Na und? Dann esse ich eben nur die Hälfte. Das ist auch genug, und ich bin beim gleichen Preis.
Wir leben nicht im Mangel, sondern im Überfluss. Rufen wir also nicht nach dem starken Staat, damit er das Gammelfleisch bekämpfe.
Geben wir lieber unser Geld für gutes Fleisch aus, auch wenn wir uns dann vielleicht nicht täglich ein Filetsteak leisten können. Wir werden schon nicht verhungern.

Der Pornostar von nebenan

Sonntag, September 3rd, 2006

Die Emanzipation ist gescheitert. Ich habe es gestern beim Einkaufen erkannt. Auf der Suche nach einem mir passenden Polohemd bin ich in einen “Street- und Fashionwear”-Laden geraten. Neben coolen Cappies und zerfetzten Jeans lag die neue T-Shirt Kollektion aus. Vorn auf dem Tisch für Frauen, weiter hinten für Männer. Das angeblich sensiblere Geschlecht hat die Wahl: Es kann sich selbst als “Amateur-Pornstar”, “Pervert-Pornstar” bzw. “Licking-Lesbo” bezeichnen oder mit grellen Buchstaben darauf hinweisen, dass “it is not going to suck itself”. Als interessierter Mann könnte man in Zukunft bei einer Frau lesen, dass bei ihr gerade Tag der offenen Tür ist, sie wiederum könnte sich über ein Jobangebot freuen, dass er als “Boop-Patrol” offeriert.

Schon vor gut einem Jahr hatte Theresa Bäuerlein in der “Emma” eindrücklich beschrieben, wie sich durch neue, sehr erfolgreiche Hiphop-Bands frauenfeindliches und sexistisches Gedankengut in der Jugendkultur etabliert. Die Frauen in dieser Jugendkultur scheinen sich mit dem zugewiesenen Rollenbild abgefunden zu haben. Denn die Nachfrage nach solchen “frechen T-Shirts” (Eigenwerbung des Ladens), wie den oben beschrieben, ist da. Trotz des happigen Preises von 25 Euro gab es von einigen Motiven nur noch das Ausstellungsstück im Laden.

Dass dies nicht nur ein netter Spaß auf dem Hemd, nicht nur “gute” Musik, deren Text nicht ernst genommen wird, ist, wird mir immer wieder von befreundeten Lehrerinnen an Haupt- und Berufsschulen erzählt. Die Schüler seien enthemmt, ordinär und oft extrem anzüglich. Verständnis, dass man als Lehrerin nicht in einer Klasse voller Playmate-Postern unterrichten möchte, gibt es wenig – auch nicht von den männlichen Kollegen. Man wird als Emanze oder Feministin abgestempelt. Clara Völkers, Gründerin von femalehiphop.net, hat wohl Recht, wenn sie über den Gangsta-Rap aus Deutschland urteilt: „HipHop an sich ist nicht sexistischer als andere Arten von Pop-Musik. Er ist so sexistisch wie die Gesellschaft, die er spiegelt, und in der die Menschen, die ihn produzieren, aufwachsen.“

Zu einer freien Gesellschaft gehört, dass sich jeder, der will, als “Bitch” outen kann. Vermutlich gibt es sogar ein Recht auf Niveaulosigkeit. Doch verlieren wir auf lange Sicht Freiheit, wenn das Selbstbekenntnis die Flucht in eine unterdrückte Rolle beinhaltet. Es kann also nicht um Bevormundung gehen, wohl aber um Aufklärung und Vorbilder. Dabei eignen sich die “MitgliederInnen”-SchreiberInnen wenig. Mit den krampfhaften Versuchen, Diskrimminierung zu bekämpfen, wo keine ist, mit der Verwechslung von Gleichwertigkeit und Gleichartigkeit, haben sie die neue sexistische Unterordnung der Frau eher beflügelt als bekämpft. Doch ohne Gleichberechtigung und ohne Erkenntnis auch eigener Würde verliert eine Gesellschaft nicht nur an Niveau, scheitert nicht nur die Emanzipation, sondern letztlich eine freiheitliche Gesellschaftsordnung.