Gut, dass es Wikipedia gibt. Jetzt kann ich mitreden, wenn SPD und CDU über die neue Unterschicht streiten. Der Begriff “Unterschicht” ist übrigens irreführend, denn es geht zuerst nicht um eine soziale, sondern um eine ökonomische Frage.
Es geht um die Reaktion auf die sogenannte “Entsicherung” des sozialen Lebens durch befristete Arbeitsverträge, Mini-Jobs und Mini-Löhne, Dauerpraktika, schlicht um das moderne Tagelöhnerwesen.
Menschen, die in dieses moderne Tagelöhnerwesen hineingezwungen werden, nennt man nun Prekarierer (von prekär lat. für unsicher). Und derer werden immer mehr.
Akademiker zum Beispiel erwarten heute in vielen Fachrichtungen keine geordneten Karrieren mehr sondern höchst prekäre Berufsverhältnisse. Tagessätze von unter hundert Euro brutto oder Knebelverträge mit 2500 Euro brutto im Monat für Hochqualifizierte sind keine Seltenheit.
Das alles ist traurig und dramatisch, hat aber, wie ich meine, nichts mit “Hartz IV” zu tun, wie jetzt in SPD und Union zu hören ist. Denn wer keine oder keine ausreichende Arbeit hat, dem kann der Staat auch nicht helfen. Dem helfen nur neue Arbeitsplätze. Und von denen könnten in Deutschland viel mehr geschaffen werden, wenn es zu den Reformen käme, zu denen es nicht kommt.
“Sozial ist, was Arbeit schafft”, hieß es im letzten Bundestagswahlkampf bei den Parteien der Sozialen Marktwirtschaft, also bei CDU und FDP. Das – und nur das – stimmt.