“Und es waren Hirten in der selben Gegend auf dem Felde…” heißt es in der Weihnachtsgeschichte. Oder genauer: Hieß es bisher in der Weihnachtsgeschichte. Am Reformationstag wurde die Bibel in gerechter Sprache veröffentlicht. Sie ist ein großer Erfolg für den Verlag: Die Nachfrage übersteigt zur Zeit die gedruckte Auflage. In dieser Übersetzung heißt es: “In jener Gegend gab es auch Hirtinnen und Hirten…”
Historisch ist das unwahrscheinlich, sprachlich unschön – v.a. aber steht es in keinem der überlieferten Texte. Vielleicht waren ja auch drei der Hirten Schwarze und einer hatte ein verkümmertes Bein. Auszuschließen ist es nicht. So lange es aber keinen Grund gibt, das für historisch zwingend richtig zu halten, kann es auch überhaupt keinen Grund geben, dies in eine Bibelübersetzung aufzunehmen.
Bei den Hirten mag diese feministische Übersetzung noch Recht belanglos sein. Anders verhält es sich mit der Gottesbezeichnung: Dass Jesus von Gott als seinem “Vater” gesprochen hat, gilt als historisch sicher. In der neuen Bibelübersetzung wird hier wahlweise Adonaj, die Heilige, Ich-bin-da, oder auch die Macht eingesetzt. Und auch der “Engel des HErrn” darf nicht mehr zu den Hirten treten. Er ist jetzt der “Engel der Lebendigen”.
Warum?
Der Ausdruck ‘Herr’, kontert Bischöfin Wartenberg-Potter, sei eine Engführung auf einen männlichen Gott, der vielen Frauen den Zugang erschwert habe.
Kriegen Frauen wirklich die Transferleistung nicht hin, von ihren evtl. negativ besetzten Männerbildern auf Gott zu abstrahieren? Keine Theologin, kein Theologe behauptet, dass Gott ein Mann ist. Doch die von Jesus überlieferte Ansprache an Gott ist “Vater”. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird zudem das männliche Genus noch immer verwendet, um geschlechterübergreifende Gruppen zu bezeichnen. Das weibliche Genus ist dagegen eine Festlegung auf eine weibliche Gruppe, bzw. Person.
Anders ausgedrückt: Damit Frauen den Zugang zur Bibel finden, muss Gott für sie wieder an ein Geschlecht gebunden werden. Ein gewaltiger religionsgeschichtlicher Rückschritt.
Sind unsere Frauen wirklich so einfältig?