Archive for Januar, 2007

Christian Wulff oder die Banalität des Ehebruchs

Dienstag, Januar 30th, 2007

“Regierungschef, Vater, Geliebter und Noch-Ehemann – wie kriegt Christian Wulff das bloß so prima hin?”

fragt die Bild-Zeitung heute. Dazu zeigt sie ein Schmuse-Foto des niedersächsischen Regierungschefs mit Freundin Bettina Körner (33), aufgenommen in Hannover am Sonnabend abend. Un daneben ein Foto mit Ehefrau Christiane (46) und Tochter Annalena (13), aufgenommen keine 24 Stunden später auf einem Reiterhof in Osnabrück.

Und dann das Übliche: Wie super er sich um das Kind kümmert. Wie nett er mit der Ehefrau, von der er leider noch gar nicht geschieden ist, umgeht und wie zärtlich er mit der neuen Liebe sein kann.

Die “Kommune 1″ hat 1968 die “Auflösung aller bürgerlichen Verhältnisse”, den “Angriff auf Ehe und Familie” und “die Destruktion der Privatsphäre” propagiert. Eine Abfolge atemberaubender aggresiver Tabubrüche.

40 Jahre später lebt ein biederer Mann, der die bürgerliche Partei Deutschlands schlechthin vertritt, offen einen Ehebruch vor. Er empfindet keine Scham, kein Unrechtsbewußtsein. Er verläßt Frau und Tochter ganz ordentlich und anständig. Das ist viel schlimmer als 1968.

Die Prügelstrafe ist keine gute Idee, aber…

Montag, Januar 29th, 2007

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat den Vorschlag einer Expertenkommission begrüßt, die Prügelstrafe an Schulen wieder einzuführen. Schüler, die überhaupt nicht mehr auf Ansprachen oder Sanktionen reagieren, sollen “leichte Schläge” verpaßt werden.

Nun, das finde ich wirklich nicht gut. Tatsache aber ist, dass wir uns auch in Deutschland etwas einfallen lassen müssen, bevor an den Schulen die totale Anarchie ausbricht. In Berlin gelten bis zu 60 Prozent der Hauptschüler als “nicht mehr beschulbar”, an den Gymnasien gibt es die “Nicht Beschulbaren” auch schon.
Also, die Prügelstrafe sollten wir vielleicht lieber nicht einführen, aber viel entschiedener gegen die Sabotage des Unterrichts durch Schüler vorgehen. Nehmen wir Japans Prügel-Idee als Anregung, Wge aus der deutschen Schulkatastrophe zu suchen!

Die BILD hat Recht

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Den ganzen Tag reden wir über “sozial” und “Sozialstaat”. Wer Reformen vorschlägt, verbreitet schon “Soziale Kälte”.

Die Bild-Zeitung rechnet uns seit drei Tagen vor, dass der Sozialstaat aber gar nicht mehr sozial handelt.
Modellrechnung: Wer heute 25 Jahre alt ist, zahlt 150 000 Euro mehr in die Sozialversicherung ein, als er aus ihr erhält. Umgekehrt erhält ein 65jähriger rund 250 000 Euro mehr aus der Sozialversicherung, als er eingezahlt hat. Ist das gerecht?

Nehmen wir Hartz IV: Egal, wie lange Du eingezahlt hast: Alle bekommen gleich wenig Arbeitslosengeld. Ist das sozial?
Nehmen wir die Rente: Egal, wie lange Du einzahlst, alle bekommen immer weniger raus. Ist das sozial?

Alle wissen das ja. Bild hat es geschrieben.

A tribute to Paul Gerhardt

Mittwoch, Januar 24th, 2007

CD-Tipp: Dieter Falk – A tribute to Paul Gerhardt – ganz hervorragend beschwingte Arrangements! (Gibt’s auch bei itunes)

Warum soll Frau Mohnhaupt denn frei kommen?

Dienstag, Januar 23rd, 2007

Ich verstehe die Diskusion nicht: Wozu wurde denn Frau Mohnhaupt zu fünf Mal lebenslänglich verurteilt, wenn sie jetzt, nach 24 Jahren, frei kommen soll?
Sie wurde wegen neunfachen Mordes verurteilt. Für einen Mord gibt es lebenslänglich, also 15 Jahre. Und für die anderen acht Morde gibt es zusammen nur noch 9 Jahre? Was soll das?

An der Schwere der Schuld hat sich nichts geändert und also bleibt die RAF-Chefin bitte im Gefängnis. Für Christian Klar gilt übrigens das Gleiche.

Die RAF-Terroristen mordeten kaltblütig und hinterhältig für ihre niederträchtige totalitäre Ideologie.
Sie waren so fanatisch und böse wie manche Nazis. Heute winseln sie um Gnade. Und schon meint alle Welt, sie könnten doch genauso gut freigelassen werden? Ich meine das nicht.

Neues aus der Welt der Blogger

Montag, Januar 22nd, 2007

Bei den Bissigen Liberalen gefunden: Finger.zeig.net macht nun als blattschatten.de weiter.

Bei Geisteswelt gesehen: Den schönen Banner der Electronic Frontier Foundation: Keep on Blogging.

Dett seh ick anders, Frau Mika!

Sonntag, Januar 21st, 2007

„Wenn Axel Springer, der die BILD-Zeitung gegründet hat, eine Straße wert ist, dann sollte es Rudi Dutschke doch allemal sein“, findet Bascha Mika, Chefredakteurin der taz. Es geht um die Umbenennung der Berliner Kochstraße in „Rudi-Dutschke-Straße“. Axel Springer hat die BILD-Zeitung nicht nur gegründet, er hat sie erfunden. Das war eine innovative und äußerst erfolgreiche Idee. Er war ein Unternehmer mit großen Idealen: Aussöhnung mit Israel und die Wiedervereinigung, dafür ist er eingetreten. Und dafür hat er eine Straße verdient. Trotzdem möchte niemand die Kochstraße nach ihm benennen.

Auch Rudi Dutschke hatte Ziele. Bettina Röhl schreibt:

Dass sich Dutschke völlig darin verausgabte, ausgerechnet den damaligen Staat mit Stumpf und Stiel vernichten zu wollen, allerdings ohne ein Konzept zu liefern, was er an die Stelle setzen wollte, wirkt unabhängig von Aufrufen zur Stadtguerilla zweifelhaft.

Für mindestens ebenso zweifelhaft halte ich die These, die Umbenennung der Straße wäre ein Symbol für eine späte Versöhnung: Schließlich steht das Axel-Springer-Haus an der Kochstraße. Wie witzig.

Musicovery

Freitag, Januar 19th, 2007

Linktipp: Musicovery – ein interaktives webRadio.

Dieser Orkan war doch nur ein Wahn. Sind wir denn ein Volk von Weicheiern?

Freitag, Januar 19th, 2007

Ausnamezustand gestern in Berlin. Um 13 Uhr schickt die Stadtverwaltung alle Mitarbeiter nach Hause. Fluchtwelle auch aus den privaten Betrieben. Die Chefs kapitulieren um 15 Uhr. Alle Busse und Bahnen überfüllt, die Straßen verstopft. Um 18 ist die Innenstadt ausgestorben. Jetzt wird es geschehen! Davor haben uns N24 und n-tv mit ihren Dauerschleifen gewarnt: Orkan wie seit 2002 nicht mehr. Tote und Verletzte. Doch es pfeift nur leise und regnet kräftig.

Bebend sagt die Radio-Stimme: “Die zeitlichen Abstände zwischen den Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen mußten aus Sicherheitsgründen verdoppelt werden.”

Die Restaurants bleiben leer. Private Verabredungen werden abgesagt, öffentliche Veranstaltungen sehen kaum Gäste. Denn nun soll es um 24 Uhr losgehen. Aber wie.

Um 0:00 stehe ich auf dem Kurfürstendamm. Es stürmt, ein paar dünne Zweige fallen von den Bäumen. Es fahren mehr Taxis als Busse. Busse und Taxis sind leer.

Wer hat gestern verrückt gespielt? Die Wetterdienste? Die Medien? Wir alle?
Das Wetter jedenfalls nicht. Es gab einen Sturm mit Orkan-Böen. Wie etwa jeden zweiten Winter.

Tausche Sex gegen Kühlschrank

Donnerstag, Januar 18th, 2007

Jeder achte Brite würde für einen Breitbildfernseher, einen iPod oder auch eine hippe Gefrierkombination seine Freundin abschießen.

Was sind das für Männer? Ja, hätten sie ihre große Liebe gegen eine alte Flasche irischen Whiskey, gegen eine Cohiba, eine Harley, oder auch eine echt britische Treibjagd getauscht – alle Männer auf dem Kontinent hätten anerkennend genickt.

Aber wozu braucht man einen Kühlschrank, wenn man keine Frau hat?