Archive for Mai, 2007

Wer ist gegen "Globalisierung" und warum?

Montag, Mai 28th, 2007

Nach den Angriffen der Chaoten auf die Polizei in Hamburg stellt sich meiner Meinung nach wieder die Frage: Wer sind die Globalisierungsgegner und warum sind sie gegen die Globalisierung, was immer sie darunter verstehen? Was wir auf der Straße sehen ist eine Mischung aus alternden “Autonomen” und ihrem Nachwuchs, aus Linksextremisten, die es leider immer noch gibt und diversen Weltverbesserern und Fundamentalisten. Nach allem, was ich erkennen kann, wehren sie sich gegen die weltweite Marktwirtschaft. Das allerdings wäre fatal, denn nur die Freiheit der Märkte kann doch arme Länder zu reichen und isolierte Länder zu freien werden lassen. Daran gibt es aus der Erfahrung der Geschichte keinen Zweifel. Sollen wir diese Globalisierungsgegner dann ernst nehmen? Vielleicht. Aber nicht auf Augenhöhe.

Ist also Abtreibung doch Mord?

Freitag, Mai 25th, 2007

Der Direktor der Geburtskliniken an der Berliner Charité, Joachim Dudenhausen, hat mit einem Satz deutlich gemacht, warum der § 218 eigentlich ein absurdes Gesetz ist. Er sagte: “Inzwischen können wir Frühgeborene mit 400 Gramm retten und im Raum nebenan wird ein Kind mit 600 Gramm getötet.” Also “abgetrieben”, wie man das nennt.
Die Abtreibungsbefürworter haben ja immer bestritten, dass der abgetriebene Fötus menschliches Leben, also ein Mensch sei. Sie sind aufgrund der medizinischen Fortschritte widerlegt. Ist also Abtreibung doch Mord und muss verboten werden?

Gibt es Religionsfreiheit nur ohne Muslime?

Freitag, Mai 18th, 2007

Sie lassen mal wieder die Muskeln spielen. Und es gibt keinen Widerstand: Die Muslime in Hamburg haben mit ihrem Veto verhindert, dass die Bahai am interreligiösen Dialog beteiligt werden. Alle anderen Religionen hatten sich dafür ausgesprochen.

Im Iran werden die Bahais seit der islamischen Revolution verfolgt. Nun wird diese Unterdrückung auf den Westen ausgedehnt.

Wahre Größe, oder besser: die einzig richtige Reaktion wäre gewesen, die Muslime mit ihrer freiheitsverachtenden Politik aus dem interreligiösen Dialog auszuschließen und die Bahais aufzunehmen. Doch Frechheit siegt nicht nur im Sprichwort. Leider auch im wahren Leben.

Wie verwirrt ist Heiner Geißler?

Freitag, Mai 18th, 2007

Heiner Geißler war früher ein aufrechter Antikommunist, der das Wort von der “5. Kolonne Moskaus” prägte. Damit brandmarkte er als CDU-Generalsekretär in den 80er Jahren Teile der “Friedensbewegung”, die seiner Meinung nach vom KGB und der Stasi gesteuert wurden. Nach Öffnung der Stasi-Archive zeigte sich, dass er Recht hatte.
Geißler war aber auch ein aufrechter Kämpfer gegen den Rechtsextremismus, also ein Christdemokrat im besten Sinne.
Dass er jetzt öffentlich dem janusköpfigen Netztwerk “Attac” beitritt, in dem sich friedfertige und gewalttätige Gegner der Marktwirtschaft sammeln, ist, wie ich meine, traurig und verwirrend. Ich frage mich: Wie verwirrt ist Heiner Geißler?

Spießer wider Willen

Freitag, Mai 18th, 2007

Christian Ulmen im u_mag Interwiev:

Ich denke, dass viele, die sich vom Spießer-Sein abgekehrt haben, das aber mit denselben Mitteln tun wie ein Spießer. Das ist dann der neue Spießer oder Neo-Spießer, der in der Abkehr oder der Angst davor, zu spießig zu sein, im Unspießig-Sein aber genauso intolerant ist wie der Spießer. Wer im Prenzlberg mit seinem Latte macchiato sitzt und über die doofen Charlottenburger schimpft und sagt, er will sein Leben total unspießig gestalten, der macht dasselbe wie sein Spießer-Feind, da er sich in die Abgrenzung zurückzieht.

Stimmt genau.

Hat Mercedes Carl Benz vergessen?

Donnerstag, Mai 17th, 2007

Nach der Trennung von Chrysler soll unser Autobauer Nummer 1 “Daimler AG” heißen. Die Stadt Mannheim weißt meiner Meinung nach zurecht daraufhin, dass es ungerecht gegenüber dem großen deutschen Ingenieur Carl Benz (geboren in mannheim) wäre, seinen Namen plötzlich hinten runter fallen zu lassen. Gottfried Daimler baute 1885 das erste Motorrad der Welt. Carl Benz konstruierte im selben Jahr das erste deutsche Auto. 1926 fusionierten die Firmen der beiden Genies zur Daimler-Benz AG. Genauso muss die Firma jetzt auch wieder heißen. Das ist doch klar!

Foxtrott Uniform Charlie Kilo

Mittwoch, Mai 16th, 2007

Wer sucht bloß die Hintergrundmusik für die unzähligen Infotainment-Formate aus?

Beispiel 1 für misslungene Einspielung: Frauentausch (RTL2). Eine vollkommen gesunde Familie wird vorgestellt. Im Hintergrund die Crash Test Dummies: “Once there was this kid who got into an accident and couldn’t come to school…”

Beispiel 2 für misslungene Einspielung: Wohnen nach Wunsch (VOX). Wohnzimmer eines mittelalten Paares wird gestrichen. Im Hintergrund die Bloodhound Gang: “Vulcanize the whoopee stick in the ham wollet, cattle prod the oyster ditch with the lap rocket, batter dip the cranny ax in the gut locker…”

Ich bin gespannt, wann die Öffentlich-Rechtlichen dies von den Privaten übernehmen:

Report aus München mit “Me so horny” von 2Live Crew im Hintergrund, Frontal21 untermalt von “Don’t marry her” von Beautiful South. Es dürfte ein ähnlich durchschlagender Erfolg werden, wie das zukünftige Format Schmidt & Pocher.

Weniger Mut

Sonntag, Mai 13th, 2007

Es gibt viele Gründe, für eine Scheidung. Einige sind berechtigt.
Es stimmt auch: Man soll nicht nur der Kinder wegen zusammen bleiben.

Ich will daher auch nicht über die Scheidung der hannoverschen Bischöfin Käsmann urteilen. Mich stört aber die Berichterstattung über die Scheidung, die zeigt, wie verlogen mit solchen Krisen umgegangen wird: Sie hätten sich auseinandergelebt, die Liebe sei gegangen, will die Bild wissen, sie weiß auch, dass Frau Käßmann “wahrhaftig” bleiben wolle. Die Süddeutsche urteilt: Ein mutiger Schritt.

Zwei gute Beispiele für den absurden Spagat der Gesellschaft in familienpolitischen Fragen: Wird die Selbstverwirklichung des Einzelnen über alles gesetzt, kann man zustimmen: Keine Liebe mehr heißt dann auch, keine Ehe mehr. Und so wird es auch “mutig” gegen angebliche Konventionen anzugehen.

Doch soll man dann dieses Leitbild auch konsequent vertreten. Wenn eine Scheidung “mutig” und nicht “erschreckend” (aber vielleicht unabwendbar) ist, wenn es eine hinreichende Begründung ist, dass sich die Partner auseinandergelebt haben, dann soll man bitte auch aufhören mit Betroffenheitsmienen vor Gericht Scheidungen der Eltern noch immer für eine schwere Kindheit heranzuziehen und als Grund für eine Strafmilderung zu nennen.

Die Kirche hat sich dabei längst schlimmer verrannt, als der Rest der Gesellschaft: Seit den 60er Jahren hat sie eine Vorreiterrolle bei der Bemühung um Gleichstellung übernommen und dabei meist Gleichberechtigung und Egozentrik verwechselt: Wenn jeder sich ganz selbst verwirklichen will, kann keine Gemeinschaft entstehen. Pastoren-Ehen haben daher schon seit einigen Jahren Scheidungsquoten, die über dem Durchschnitt liegen.

Das ist nicht einfach statistisch ganz interessant, sondern ein Armutszeugnis für die Kirche: In ihr wird die Bedeutung der Gemeinschaft, das Füreinander-Eintreten, das Zurücknehmen um meines Nächsten willen gepredigt. Wahrhaftig bleibt sie dabei nur, wenn auch ihre Vertreter dieses Leitbild leben.

Was ist eigentlich genau ein "Ex-Terrorist"?

Mittwoch, Mai 9th, 2007

In der jüngsten Begnadigungs-Debatte ist die Presse dazu übergegangen, zum Beispiel Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt als “Ex-Terroristen” zu bezeichnen. Auch Inge Viet und wie sie alle heißen.
Was aber ist ein Ex-Terrorist? Lebt er ein zweites neues Leben, losgelöst von seinen Taten? Nein, das tut er nicht. Er ist schuldig, des Mordes und wird immer schuldig bleiben. Die Bezeichnung “Ex-Terrorist” ist also eigentlich genauso unsinnig, wie “Ex-Mörder”, “Ex-Totschläger” und “Ex-Kinderschänder” es wären. Übrigens gibt es auch keine “Ex-Opfer” von Terroristen.
Der Begriff “Ex-Terrorist” wirkt in meinen Augen aber nicht nur sinnlos, sondern auch sehr verharmlosend. Wird er deshalb so oft eingesetzt?

Danke, Herr Bundespräsident,…

Montag, Mai 7th, 2007

…dass Sie Christian Klar nicht begnadigen wollen. Ich habe zwar nicht verstanden, warum Sie ihm im Vorfeld Ihrer Entscheidung die Ehre Ihres Besuchs im Gefängnis gegeben haben. Hat Ihr Besuch nicht ungewollt dazu beigetragen, diesen Terroristen politisch wichtiger zu nehmen, als er ist? Nichts streben doch die linksextremen Gewalttäter von damals und ihre Symphatisanten, die es heute immer noch und vor allem wieder gibt, mehr an, als eben als politische Gegner auf Augenhöhe akzeptiert zu werden.
Aber sei es drum. Es war Ihre Entscheidung, den Mörder im Gefängnis aufzusuchen.