Was wissen Sie über Guantanamo?

Guantanamo, ein Wort wie Donnerhall, ein Begriff, ein Synonym für Unrecht, für Folter. Sie suchen nach einem Superlativ des Schreckens? Sagen Sie einfach “Guantanamo” und man wird um Sie herum wissend nicken. Alles ist klar. Die Verbrechen einer Weltmacht. Dieser Bush! Die USA und ihr Archipel Gulag…
Das Rote Kreuz hat freien Zugang zu dem Gefängnis, dennoch gibt es keine Beschwerden. Die Gefangenen erhalten täglich drei ihrer Kultur entsprechende Speisen. Jeder, der will, verfügt über eine Kopie des Korans. Jeder bekommt eine Kopie seiner Anklageschrift in der Übersetzung seiner Sprache. Es gibt fünf Gebetsperioden am Tag. Die notdürftigen Haftzellen, als X-Ray-Lager verrufen, wurden bereits Anfang 2002 nach nur vier Monaten wieder geschlossen.
Wenn ich nach dem Stichwort “Guantanamo” nachhake, höre ich stereotyp: “Na, Du weißt schon.” Niemand kann mir aber sagen, was er über Guantanamo weiß.
Die Anwälte des australischen Taliban David Hicks behaupteten, Hicks sei in Guantanamo mißhandelt worden. Er selber wiederrief diese Aussage.
Klar wird mir mulmig, wenn ich sehe, dass in Guantanamo Terror-Verdächtige unbefristet festgehalten werden. Wenn wir aber davon ausgehen, dass wir uns in einem Krieg gegen Terror-Netzwerke befinden, dann müssen wir die gegnerischen Kombattanten, die uns vernichten wollen, festsetzen. Niemand hätte die US-Armee zwischen 1941 und 1945 dafür verurteilt, dass sie deutsche Soldaten internierte.
Terroristen tragen leider keine Uniformen, keine gültigen Pässe, keine Parteibücher. Sie sind unvergleichlich viel schwerer zu fangen, als ein gegnerischer Soldat. Sollen wir sie deshalb laufen lassen?
Colonel Morris D. Davis schrieb in der New York Times, Guantanamo sei ein “sauberer, sicherer und menschenwürdiger Ort für feindliche Kombattanten”. Wahscheinlich hat er Recht.

Tags: , ,

3 Kommentare zu “Was wissen Sie über Guantanamo?”

  1. Karsten sagt:

    Die Logik der Gegenseite ist doch einfach: Entweder, die Internierten sind Verbrecher. Dann müssen sie nach den Maßstäben der Justiz behandelt werden – was so Kleinigkeiten wie Anwälte, Anklagen und ordentliche Verfahren bedeutet.

    Oder es sind Kriegsgefangene (was Du ja mit dem 41-45-Vergleich andeutest). Dann müssen sie nach der Genfer Konvention behandelt werden. Auch das findet nicht statt.

    Mal eben einen neuen Status erfinden, weil man ihn praktisch findet, geht aber nicht.

    Allerdings ist Guantanamo wohl wirklich ein sauberer und (verhältnismäßig) menschenwürdiger Ort. Und damit vom Blickpunkt des Rechts moralisch etwa so zu beurteilen wie andere Entführer, die ihre Opfer gut behandeln. Die bekommen mildernde Umstände und kein Lob vom Präsidenten.

  2. Jon sagt:

    Ja, Karsten, stimmt: Sie bekommen mildernde Umstände (wollen wir mal die gute Behandlung vorraussetzen) – aber dann eben doch etliche Jahre Knast.

  3. Jon sagt:

    Und wieder mal habe ich mich entschlossen, hier zum letzten Mal zu posten. (Logo, keiner wird’s vermissen.) Ich finde die Beiträge des Herrn Schupelius so oft widerlich und unmenschlich, dass es mir schon fast körperliche Schmerzen verursacht.
    Wider besseres Wissen wird hier wieder mal das menschenrechtswidrige Gefangenenlager zu einem fast normalen Gefängnis zurechtgelogen. Gefolterte werden einfach als Lügner hingestellt und der Kriegsverbrecher, Wahlfälscher, Religionsverhöhner (Gott hat mich beauftragt, diesen Krieg zu führen) und offenbar debile Bush als Quelle für Wahrheiten genommen.
    Der Gipfel aber ist in diesem Artikel, das Rote Kreuz in diese eklige Propaganda zu verwickeln: “…und es gibt keine Beschwerden.”
    Dieser Logik nach ist wohl auch die Folter von Stummen erlaubt – denn dann gibts ja auch keine Beschwerden. Es ist ja nun einmal so: “Das IRK ist die einzige Organisation, die das Gefangenenlager regelmäßig inspizieren darf – unter der Voraussetzung, dass die Inspektionsberichte vertraulich sind und lediglich an das Pentagon gehen.”
    Das ist dem Artikelschreiber bekannt. Gleichzeitig mit der Verharmlosung von Folter und Menschrechtsbruch gibt der Autor vor, christliche Werte zu vertreten – und hetzt auch noch gegen den nun wirklich zumindest harmlosen Dalai Lama.
    E K E L H A F T !

    Auf nimmerwiedersehen.

Leave a Reply