Archive for Januar, 2008

Glück im Staat

Donnerstag, Januar 31st, 2008

Wer weiß, wie lange dieses Audiofile noch auf der Homepage des WDR abrufbar ist. Sicherheitshalber sollten Sie es jetzt sofort anhören. Es lohnt sich.

Christen wählen "Die Partei"

Donnerstag, Januar 31st, 2008

Es gibt bekanntlich viele Gründe für “Die Partei“. Ihr solides Grundsatzprogramm zum Beispiel:

Freiheit als Grundwert bedeutet für uns die größtmögliche Entfaltung der Möglichkeiten jedes ­einzelnen Bürgers wie auch die größtmögliche Entfaltung der Möglichkeiten der Gemeinschaft. Freiheit findet in Verantwortung vor dem Mitmenschen statt. Ihre Schranken findet die Freiheit des einzelnen ­deshalb dort, wo die Freiheit des anderen berührt ist. Unser Ziel ist ein Gemeinwesen, in dem sich jeder ­seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten gemäß entwickeln kann und sich seiner Verantwortung für die ­Gesellschaft bewußt ist.

Wer wollte da widersprechen? Nun haben die Plakataktionen “Achtung CDU-Wähler: Ole von Beust ist Schwul” und “Achtung Schwule: Ole von Beust ist in der CDU” gerade viele konservative Wahlwillige vergrätzt. Zu Unrecht. Mit Heinz Strunk hat Die Partei einen grundsoliden Spitzenkandidaten, der gewiss in der Tradition des christlich-abendländischen Denkens regieren wird.

Ein beeindruckendes Beispiel des sprachlichen Könnens und der tiefen Religiosität des Spitzenkandidatens, ist sein Gedicht “Motorradgottesdienst”. Ein Auszug:

Sie sind aus Gelsenkirchen,
aus Freiburg und aus Kiel.
Sie tragen schwarzes Leder
und Hamburg ist ihr Ziel.

Empfangen Gottes Segen
aus beruf’ner Hand.
Auch der Pastor ist ein Biker
mit Herz, Hirn und Verstand.

Sie sind stark, doch sie wissen,
es gibt noch eine Macht,
viel tougher als ‘ne Harley,
die schützt Dich, wenn es kracht.

Auch bei Tempo 190
fährt Jesus jetzt hinten mit.
Er gibt dir Mut und Kraft
auf deinem Höllenritt.

Der Helm in ihren Händen,
die Köpfe sind gesenkt.
Ab jetzt ist es der Glaube,
der ihre Harley lenkt.

Wen das noch nicht überzeugt hat: Die Partei tritt dafür ein, Managergehälter auf das 25.000-fache eines Arbeiterlohns zu begrenzen. Das kann doch allen gefallen, ob Sozialdemokraten, Liberalen oder CDU-Anhängern.

Sie fragen sich, warum Sie hier sind?

Montag, Januar 28th, 2008

Darum.

Via Fontblog.

Nur weil man sich so dran gewöhnt hat, ist es nicht normal!

Sonntag, Januar 27th, 2008

Egal wie die Prognosen und Hochrechnungen sich heute Abend noch entwickeln werden, eins steht jetzt schon fest: Wahlen gewinnt man in Deutschland weiterhin nur mit gelackter Profillosigkeit (Niedersachsen) oder wilden linken Wahlversprechen (Hessen), die dann – hoffentlich – nie eingelöst werden.

Frau SPD-Ypsilanti fordert Gesamtschulen, gibt ihren eigenen Sohn aber auf ein privates Gymnasium

Donnerstag, Januar 24th, 2008

Frau Ypsilanti will Ministerpräsidentin von Hessen werden. Dann will sie das Schulsystem verändern. Ein „integriertes System” soll her, gemeinsamer Unterricht bis zur 10. Klasse und kein Sitzenbleiben mehr.

Vor solcher Art von “Einheitsgesamtschule warnt der Schulleiter der Anna-Schmidt-Schule in Frankfurt, Michael Gehrig. Diese Anna-Schmidt-Schule (ein privates Ganztagsgymnasium, 180 Euro pro Kind und Monat) besucht unter anderen der 12-jährige Sohn von Frau Ypsilanti.
Dass ihr Sohn nicht auf eine Gesamtschule geht, begründet Fra Ypsilanti damit, dass sie auf eine Ganztagsschule angewiesen sei und die einzige Ganztagsschule in der Nähe ihres wohnorts eben eine Privatschule sei.

Das klingt nicht sehr glaubwürdig, würde ich sagen.

Schlechter fängt sonst keiner an

Mittwoch, Januar 23rd, 2008

Jim Gleeson hat den Bulwer-Lytton Fiction Contest 2007 gewonnen. Ausgezeichnet wurde er für den Satz:

Gerald began – but was interrupted by a piercing whistle which cost him ten percent of his hearing permanently, as it did everyone else in a ten-mile radius of the eruption, not that it mattered much because for them “permanently” meant the next ten minutes or so until buried by searing lava or suffocated by choking ash – to pee.

Gleeson kann sich nun rühmen den schlechtesten Romananfang des Jahres 2007 verfasst zu haben. Ein Urteil über die weitere Qualität des Buches “Self-Improvement Through Total Inactivity” – ihm entstammt dieser Satz – habe ich nicht gefunden.

Seit 1981 vergibt die San Jose State University den Bulwer-Lytton-Preis. Benannt wurde der Preis nach dem Autor Edward George Bulwer-Lytton. Sein bekanntestes Werk: Die letzten Tage von Pompeji. Als würdiger Namenspatron gilt er dank dieses Einstiegs in seinen Roman “Paul Clifford”:

It was a dark and stormy night; the rain fell in torrents–except at occasional intervals, when it was checked by a violent gust of wind which swept up the streets (for it is in London that our scene lies), rattling along the housetops, and fiercely agitating the scanty flame of the lamps that struggled against the darkness.

Ich würde gerne einen Ehrenpreis für den Wiederholungstäter Thomas Mann ausloben: Ich vermute, es gibt niemanden, der mehr unlesbare Romane veröffentlicht hat.

Strafe muss sein!

Dienstag, Januar 15th, 2008

“Strafe muss sein!” meint der Volksmund, doch er begründet es nicht. Das mag auch überflüssig erscheinen: Zu offensichtlich, zu vielfältig sind ja die Argumente. Im aktuellen Streit, welches Strafmaß für jugendliche Kriminelle angemessen sei, werden einige davon immer wieder genannt: Zum einen sollen Strafen andere Menschen davon abhalten, auch Unrecht zu begehen. Und zum anderen sollen Strafen dem Übeltäter die Lust an weiteren Verbrechen nehmen. Das sind gewiss ernst zu nehmende Ziele. Ich glaube aber, sie reichen nicht aus, um Strafen zu begründen.

Unter den vielen Aspekten der Strafe ist mir eine Überlegung besonders wichtig: Nach dem christlichen Menschenbild muss zwischen dem Täter und seiner Tat unterschieden werden. Ein Gericht spricht ein Urteil über das begangene Verbrechen, aber es kann kein Urteil über den Menschen sprechen. Diese Unterscheidung gibt dem Verurteilten überhaupt die Möglichkeit, seine Strafe zu akzeptieren. Er muss wissen: Ich habe etwas getan, was ich nicht hätte tun dürfen. Und er muss wissen: Wenn ich meine Strafe abgeleistet habe, dann gibt es für mich einen Neuanfang. Meine Strafe ist der Weg zur Versöhnung. Ich bin schuldig gesprochen worden, aber dann bin ich wieder frei von dieser Schuld.

So fordert die Strafe nicht nur den Verbrecher, sie fordert auch uns. Durch sie soll der Mensch, der ein Verbrechen begangen hat, zurück in die Gemeinschaft geführt werden.

Eine Strafe ist deshalb keine Rache: Eine unangemessen harte Strafe würde dazu verkommen. Eine Strafe schützt aber auch davor, leichtfertig ein Unrecht zu entschuldigen. Der Volksmund behält also Recht: Strafe muss sein, – wenn ihr Ziel Versöhnung ist.

(Am vergangenen Wochenende das Wort zum Sonntag in den Lübecker Nachrichten.)

Offene Grenzen ja, aber nicht um jeden Preis!

Montag, Januar 14th, 2008

Entschuldigen Sie, dass wir hier in Berlin etwas sensibler reagieren als andere. Aber die Grenze nach Polen liegt nur 100 Kilometer entfernt. Diese Grenze wurde am 21. Dezember 2007 geöffnet. Seitdem wurden bereits 500 illegale Einwanderer aufgegriffen. Das sind genauso viele, wie im gesamten ersten Halbjahr 2007 gestellt wurden, als es noch Grenzkontrollen gab.
Noch beunruhigender ist es, wenn man daran denkt, wie viele illegale Einwanderer nicht aufgegriffen wurden.
Wir können die Grenze nach Polen nur dann öffnen, wenn Polen die Außengrenze der EU zu Weißrußland etc. schließt. Das scheint nicht zu funktionieren. Und also funktioniert auch die Öffnung der Grenze zu Polen nicht.

Warum nicht mal Monaden?

Montag, Januar 14th, 2008

Die Leibniz Universität Hannover hat ein neues Logo: Ein kurzer Auszug aus der Originalschrift Leibniz’ in der er das binäre Zahlensystem entwickelt, daneben der Schriftzug der Uni.

Leibniz Universität Hannover.jpg

Die Idee ist gut. Die Umsetzung gefällt mir nicht.

Schade: Das Logo reduziert die Uni optisch auf den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Beim Universalgelehrten Leibniz gibt es aber mehr zu holen als drei Zahlen.

Interessanter wäre es gewesen, die Monadenlehre von Leibniz für das Logo zu verwenden. Mit ihr hätte man Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften umfassen können.

Die Visualisierung ist gewiss schwerer als die des binären Zahlensystems. Aber dafür werden Designer ja auch bezahlt.

Siehe auch: Designtagebuch

Gehören Kaninchen ins Tierheim?

Sonntag, Januar 13th, 2008

Darüber denke ich nach, seitdem ich erfahren habe, dass im Berliner Tierheim alle Plätze für Kaninchen belegt sind. Warum müssen Kaninchen, die keiner mehr haben will, im Tierheim aufgenommen werden? Kaninchen sind doch Nutztiere. In jedem Supermarkt gibt es tiefgefrorene Kaninchen. Eine Kuh oder ein Schwein, dass niemand mehr haben will, würde man ja schließlich auch nicht ins Tierheim einweisen.