Archive for Oktober, 2008

O-BA-MA!

Freitag, Oktober 31st, 2008

Drei Gründe für Obama:

1. Das Außenpolitische Argument: Ich bin mir sicher, dass Obama sich in seiner Außenpolitik nicht wesentlich von George W. Bush unterscheiden wird. Spannend wird es daher, wie das Ausland damit umgeht. Bush-Bashing funktioniert nicht mehr. Schafft Obama das weltweite Umdenken (schon damit wäre seine Wahl ein Gewinn!), oder wird der Antiamerikanismus nicht mehr unter dem Deckmantel “Wir mögen ja nur eine Person nicht.” versteckt und triff dann offen zu Tage?

2. Das persönliche Argument: Ich kann Sarah Palin nicht leiden. Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer beruflich erfolgreichen Mutter. Sie war genervt: Warum könnten Frauen in Führungspositionen nicht einfach mal zugeben, dass es oft nicht einfach ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, dass es Spannungen gibt, das Kinder ihr Recht und ihre Zeit einfordern. Die Mutter hat Recht, Palin nicht: Zu behaupten sie sei Gouverneurin von Alaska und eine ganz normale Hockey-Mum in einem, ist verlogen. Aber wer will schon eine verlogene Vize-Präsidentin?

3. Das innenpolitische Argument: Obama strauchelte im Wahlkampf, als Hillary Clinton verbreitete, dass er das Waffengesetz verschärfen wollte. “Ich habe nicht die Absicht Ihnen die Waffen wegzunehmen.” verkündete Obama schnell – die Wahl schien in Gefahr. Wie schwierig es ist, diesen Irrsinn – das Recht auf eine Waffe – in den USA zu beseitigen, zeigt sich hieran gut. Mit Obama bleibt wenigstens die Chance auf den Wechsel.

Spricht etwas gegen Obama?
Die Wirtschaftspolitik? Wohl nicht aus us-amerikanischer Sicht, vielleicht aus europäischer.
Die Finanzpolitik? Ich erkenne da keinen Unterschied zu McCain.
Die Umweltpolitik? McCain und Obama setzen auf Atomkraft.

Das sind keine abschließenden Argumente. Und gewiss spricht viel auch gegen Obama. Aber ich glaube, wäre ich Amerikaner, würde ich ihn wählen.

Schuluniformen in Hamburg

Donnerstag, Oktober 30th, 2008

Gute Ideen setzen sich durch: Nach Eppendorf und Hamm führen jetzt zwei weitere Evangelische Schulen in Hamburg Schuluniformen ein. Der Druck, cool durch Kleidung sein zu müssen, lässt nach. Bleibt zu hoffen, dass die staatlichen Schulen bald nachziehen.

Danke, liebe Libertas-Cara-Leser, für die Unterstützung. Leider ist am Tag 2 der Sinn-Äußerung jede differenzierte Erörterung fast unmöglich geworden. Daran ist wiederum Herr Sinn nicht unschuldig.

Montag, Oktober 27th, 2008

Jetzt hat Herr Sinn das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte: Anstatt über die Hetze gegen Manger nachzudenken, macht sich die Öffentlichkeit Gedanken darum, wann sich Herr Sinn entschuldigt, dafür dass er die Ressentiments gegen Manager heute mit dem Antisemitismus 1929 verglich. Die Libertas-Cara-Leser haben das Thema sehr differenziert erörtert. Daran anzuschließen ist jetzt fast unmöglich geworden, bevor Herr Sinn sich nicht deutlich erklärt. So können öffentliche Debatten gegen die Wand fahren, wenn sie gut gemeint aber dilletantisch angepackt wurden.

Hat Hans-Werner Sinn Recht, wenn er den Antisemitismus aus dem Jahre 1929 mit den Ressentiments gegen Manager im Jahr 2008 vergleicht?

Sonntag, Oktober 26th, 2008

Sicherlich nicht. Denn der Hass auf die Juden hatte in großen Teilen der deutschen Bevölkerung 1929 schon gefährliche Ausmaße erreicht und kann ganz bestimmt nicht mit der heutigen Tendenz verglichen werden, die Manager zu den Schuldigen der Finanzkrise zu erklären.
Hans Werner Sinn, der Chef des Ifo-Instituts, verkennt also die historischen Dimensionen des Antisemitismus, wenn er sagt: “1929 waren die Juden die Sündenböcke, heute sind es die Manager.”
Allerdings war und ist die Kapitalismus-Kritik in Deutschland immer wieder auch antiamerikanisch und antisemitisch unterlegt. Wollte Sinn das sagen? Dann hätte er sich besser ausdrücken müssen!
Das “Finanzkapital” und seine Repräsentanten werden hierzulande viel heftiger, grundsätzlicher und ressentimentgeladener attackiert, als dies zum Beispiel in angelsächsischen Ländern geschieht. Die Angst und Abneigung vor der Finanzwirtschaft gipfelte in Deutschland vor wenigen Jahren in folgender Karikatur auf der Titelseite einer Gewerkschaftszeitung: Ein Mann mit Stars-and-Stripes-Zylinderhut und einer Hakennase (!) steckt im Körper einer Heuschrecke und macht sich über Deutschlands Wirtschaft her. Diese Karikatur hat mich, ehrlich gesagt, sehr erschreckt.

Der ist aber groß! – oder: Wann wird Sicherheit zum Wahn?

Donnerstag, Oktober 23rd, 2008

Die Idee scheint einer pubertären Teenager Phantasie entsprungen zu sein: Nacktscanner dürfen – so die EU-Kommission – künftig jeden Fluggast durchleuchten.

Die Frage “Hast Du schon mal Nacktphotos gemacht?” kann durch die Frage “Bist Du schon mal geflogen?” abgelöst werden. Nacktfotos der Hollywoodstars, “Ich zieh mich für den Playboy aus”? Bald Relikte einer verklemmten Vergangenheit.

Im Namen der Sicherheit wird das Schamgefühl antiquiert und tatsächlich die These ad absurdum geführt, wer nichts zu verbergen habe, habe auch nichts zu befürchten. – Doch hat er: Denn ihm wird das Recht genommen, etwas verbergen zu dürfen.

Heribert Prantl hat Recht: Dieser neue Sicherheitscheck ist eine Verletzung der Menschenwürde am Fließband.

Sollen Jungen und Mädchen wieder getrennt lernen? Was meinen Sie, liebe Leser?

Mittwoch, Oktober 22nd, 2008

Das schlägt die Bundesbildungsministerin Annette Schavan vor. Landläufig galt eine solche Idee bisher innerhalb der deutschen Eliten als “reaktionär”. Das hat sich meines Wissens nach geändert. Und wir sollten vielleicht ernsthaft diskutieren, ob man nach Geschlechtern getrennt besser lernt. Mir hätte das früher geholfen, glaube ich, denn ich hätte mich beser auf den Unterrichtsstoff konzentrieren können. Was meinen Sie, liebe Libertas Cara-Leser?

Die Buchmesse ist Symbol des freien Wortes. Die Türkei ist Ehrengast auf der Buchmesse. In der Türkei gilt das freie Wort viel weniger als bei uns. Ist die Türkei der richtige Ehrengast?

Freitag, Oktober 17th, 2008

Der PEN-Präsident Johano Strasser hält die Türkei wegen massiver Verletzungen von Menschenrechten noch nicht reif für eine EU-Mitgliedschaft. Ich übrigens auch nicht.
In den vergangenen drei Jahren seien, sagt Strasser, sind in der Türkei rund 1000 Autoren und Journalisten zum Beispiel wegen “Staatsbeleidigung” verfolgt worden.
1000 Autoren in drei Jahren? Was ist “Staatsbeleidigung”? Wenn das stimmt, was Herr Strasser sagt, dann ist die Türkei der falsche Ehrengast auf unserer Buchmesse!

Kurz gemalt

Dienstag, Oktober 14th, 2008

Kleine Skizze einer Preisverleihung.

Liebe Libertas-Cara-Leser! Vielen Dank, dass ihr mir die Finanzkrise erklärt habt, aber jetzt habe ich noch eine Frage: Wann müßte Deutschland Insolvenz anmelden und ab wann zahle ich meine Autobahn-Maut dann an die Chinesen?

Montag, Oktober 13th, 2008

Vielen dank nochmal an alle Kommentatoren! Ich bin jetzt ein Stück schlauer. Aber wie geht es weiter? Wenn Frau Merkel also für alle Sparguthaben der Deutschen garantiert und jetzt der schlimmste Fall eintritt und alle Einlagen verloren sind und Frau Merkel sie alle ersetzen muss, dann muss die Bundesrepublik Deutschland doch Insolvenz anmelden, richtig? Und dann kommt das Eigentum unter den Hammer: Autobahnen, Schienennetze, Schulen, Kitas, Rathäuser. Richtig? Und dann kaufen das alles die Chinesen und ich zahle eine Autobahn-Maut direkt nach China? Würde das so kommen?

De mortuis nihil nisi bene?

Montag, Oktober 13th, 2008

Die Meldung, dass Jörg Haider tödlich verunglückt ist, steht heute auf den Titelseiten aller Tageszeitungen. Verstorben ist diesen Meldungen nach nicht ein “Spitzenpolitiker Österreichs” oder auch ein “Wahlsieger”, der “Vorsitzende der BZÖ”, verstorben ist immer der “Rechtspopulist” Jörg Haider.

Das stört mich.

Natürlich kann man über Tote auch kritisches schreiben. Doch die erste Charakterisierung eines Menschen sollte keine Beleidigung sein – und Populist wird bei uns als Beleidigung gebraucht.

Haider kann auch im Nachruf “sehr umstritten” gewesen sein, er kann “rechtsgerichtet”, “rechtsextrem” und ähnliches sein. Zur Meldung wird sein Tod aber deshalb, weil er ein über die Landesgrenzen hinaus bekannter österreichischer Spitzenpolitiker war. Und als solcher sollte er bezeichnet werden.

Auch Oskar Lafontaine hat einmal einen Nachruf verdient, in dem er mehr ist als ein  “Linkspopulist”, Günther Grass soll einmal nicht nur als “Moralapostel” in Erinnerung bleiben.

Bei Berichten über Verstorbene sollten Journalisten beonders vorsichtig sein, wie sie Menschen titulieren. Nicht nur des seriösen Journalismus wegen, nein, v.a. des verstorbenen Menschen wegen.

Dazu auch: Zettels Raum