Wolfgang Clements Austritt aus der SPD mag man bewerten, wie man möchte – sein Austritt war eine Überzeugungstat. Und darum bin ich begeistert! Überzeugungstäter gibt es in der Politik zu selten. Man sollte sie nicht mit Fanatikern und Irren verwechseln. Als politischen Überzeugungstäter würde ich den bezeichnen, der mit Leidenschaft und unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile für seine Überzeugungen eintritt. Eine Rarität in der gemäßigt-unemotionalen und phantasielos-ideologietreuen politischen Landschaft des Jahres 2008.
Dabei verwenden Medien das Attribut “leidenschaftlich” geradezu inflationär. Vom Dorfbürgermeister bis zum Parteisekretär wird fast jeder Politiker mindestens einmal in seinem Leben als “Politiker aus Leidenschaft” betitelt. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Leidenschaft meist als leidenschaftliches Festhalten an Ämtern und hochengagiertes Planen der eigenen Karriere. Nebenbei: Ein Rück- oder Austritt sollte nicht das einzige Ventil für Leidenschaft sein. Eine leidenschaftliche Diskussion im Bundestag würde mir persönlich vollkommen genügen!

