Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, die Weihnachtszeit hat damit begonnen – gleich im ersten Satz des Posts ein wichtiger Hinweis für unsere Leser, denn selbst kirchennahe Menschen sind heute meist der Meinung, dass mit Weihnachten die Weihnachtszeit endet.
Ich habe die Feiertage mit einer Grippe und daher ohne Gottesdienstbesuche verbracht. Vielleicht hat das meiner Weihnachtsfreude sogar gedient, denn was ich aus den Gottesdiensten gehört habe, bestätigte meine Erfahrungen der letzten Jahre:
V.a. die evangelische Pfarrerschaft hat sich scheinbar seit einigen Jahren vorgenommen, der großen Besuchermassen langfristig dadurch Herr zu werden, dass sie immer am Heilgen Abend eine Stunde der Peinlichkeiten präsentieren. Die Bischöfe flankieren diesen Reigen durch Interviews und Predigten, in denen sie als neunmalkluge Moralapostel auftreten und sich offensichtlich keine Sekunde fragen, ob sie sich nicht erst einmal den Balken im eigenen Auge entfernen sollten, bevor sie auf den Splitter im Auge von Herrn Ackermann hinweisen.
Vielleicht erklärt diese Unsicherheit im Umgang mit der Weihnachtsbotschaft von denen, die die christliche Botschaft weitergeben sollen, die wachsende spielerische Distanz zum Weihnachtsfest, die langfristig, als Spielart des Relativismus, Weihnachten kaputt machen wird:
Es zeigt sich nicht nur in der ja schon altbekannten Konsumkritik, die sich über alle Weihnachtsbraten- und Bescherungsromantik stellen will und darin verlogene Verkrustungen eines antiindividualisitschen Bürgertums vermutet.
Es zeigt sich auch, am stetigen Rückgang privater Weihnachtspost oder – und das lässt sich auch schön an vielen Einträgen befreundeter Blogger zeigen – in der Relativierung der eigenen Weihnachtsgrüße: Ob liberal oder konservativ: Zu den Weihnachtsgrüßen gesellen sich Chanukah- und Freie-Tage-Grüße.
Ich warte gespannt, ob die Autoren auch vor dem islamischen Neujahr (29.12.) einen guten Rutsch wünschen werden und an Silvester auch die Mitbürger berücksichtigen, die schon seit Ende September im Jahr 5769 leben.
Das wäre echt voll liberal und kosmopolitisch!
Und damit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern nun eine gesegnete und fröhliche Weihnachtszeit!


