Wer sein mehr als 10 Jahre altes Auto verschrottet und dafür einen Neuwagen kauft, der bekommt staatliche Unterstützung aus dem sogenannten “Konjunkturpaket”. Bisher nannte sich dieser Zuschauss “Abwrackprämie”. Jetzt spricht das Bundeswirtschaftsministerium von einer “Umweltprämie”. Dieser Begriff suggeriert mir, dass ich mit dem Verschrotten meines alten und dem Kauf eines neuen Wagen zum Umweltschutz beitrage. Dabei legt die Prämie gar nicht fest, dass ich ein neues Auto kaufen muss, das weniger Benzin verbraucht und weniger Schadstoffe erzeugt, als mein altes. In der Prämienbilanz ist auch der Energieeinsatz nicht mit berechnet, der dazu nötig ist, einen Neuwagen zu produzieren. Unterm Strich ist die Umweltbilanz der Prämie durchgehend negativ. Das wird mit dem Begriff Umweltprämie verschleiert. Genau genommen ist dieser Begriff eine Lüge. Wer hat sie und zu welchem Zweck erfunden?


Erst gibt es Abwrackprämien für Autos, dann fordern die Fahrradfahrer eine Abwrackprämie (kein Scherz), dann werden Abwrackprämien für Kühlschränke gefordert (auch kein Scherz) und selbst die Dildo-Produzenten springen auf den fahrenden Zug auf.
Deshalb: If you can’t beat them, join them. Mein Vorschlag für eine nachhaltige (sic!) wirtschaftliche Entwicklung: Abwrackprämien für Gesetze. Auf Länder-, Bundes- und natürlich Europaebene. 2500 Euro pro abgeschafftem Gesetz und Parlamentarier. Teurer Spaß, aber immer noch billiger als die Abwrackprämie für Autos. Von mir aus darf man dann auch nennen, wie man will. Öko3000SuperPrämie oder so.
Die Abwrackprämie ist in der Tat ein ordnungspolitischer Sündenfall. Nicht nur bringt es der Umwelt nichts, wenn gut funktionierende und in der Regel eben auch nicht so umweltschädliche Autos mit gerade mal neun Jahren verschrottet werden. Es ist auch volkswirtschaftlich schädlich, weil ohne Not Werte zerstört werden. Und der ganze Altautomarkt wird tüchtig durcheinander gewirbelt. Der Nutzen für die Automobilindustrie ist begrenzt, weil in der Praxis hauptsächlich kleine Autos gekauft werden, die aber eben nicht in Deutschland produziert werden. Und spätestens dann, wenn das Geld alle ist, fällt die Industrie und der Autohandel in ein noch viel tieferes Loch. Es ist so, als wenn man einem Alkoholkranken am Ende einer langen Party noch mal eine Flasche Wein in die Hand drückt. Das böse Ende lässt sich höchstens aufschieben, aber es wird kommen.
Die Werbung wars, die hats erfunden: Als die Politiker noch über Sinn und Unsinn der Abwrackprämie stritten, liefen schon die Werbespots in high rotation, die für jeden neuen Citroen, VW, Opel, Renault… unglaublich günstige Preise versprachen – dank “staatlicher Umweltprämie”.
Wäre ich der Bundeswirtschaftsminister, ich hätte den neuen Titel auch übernommen, vielleicht mich kurz geärgert, warum ich nicht drauf gekommen bin.
@SG es stimmt, dass der größte Fehler der Abwrackprämie, der ist, dass eben keine “Deutschen”-Autos gekauft werden, da die, aufgrund der Krise, zu teuer und eben auch mit Abwrackprämie nicht zu bezahlen sind.
@Tobias, ich denke, dass ein Neuwagen mit sicherheit weniger Umweltschädlich als ein 10 Jahre altes Auto ist. Hinzu kommt eben das Argument, dass vor allem Kleinwagen gekauft werden. Aber ist “weniger” Umweltschädlich = Umweltfreundlich?! Ich denke nicht.
Klar ist die Abwrackprämie Unfug.
Dass allerdings deutsche Hersteller nicht profitieren würden, stimmt nicht ,wie jüngst in der FAZ zu lesen war. Lediglich die Premiumsegmente aller Hersteller gehen weitgehend leer aus.
Ich muss mich korrigieren: Nicht die Werbung hat die Abwrackprämie umbenannt – offensichtlich war dies immer der offizielle (sinnlose) Name. “Abwrackprämie” war der Ausdruck des Volksmundes.