Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. erlitten drei römische Legionen unter Publius Quinctilius Varus eine vernichtende Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung des Arminius („Hermann“), eines Fürsten der Cherusker.
In diesem Jahr sprießen die Berichte, Filme und Bücher über diese Schlacht wie Pilze aus dem Boden. Die Deutschen scheinen sich für einen frühen Abschnitt ihrer Geschichte neu zu interessieren, der im 19. Jahrhundert und bis 1945 im Mittelpunkt des Interesses stand. Die Hermann-Schlacht galt den Deutschen lange als Gründungsdatum ihrer eigenen Nation.
Ich habe gar nichts dagegen, dass man sich jetzt wieder der Heldentaten des Arminius erinnert. Doch warum wird plötzlich der schöne deutsche Name “Herrmann” aufgegeben, den Martin Luther durch Übersetzung des Namen Arminius dieser Schlacht gegeben hat?


Mein Abitur ist inzwischen schon fast zehn Jahre her und doch habe auch ich damals die Schlacht schon unter dem Namen “Varusschlacht” oder “Schlacht im Teutoburger Wald” kennengelernt. Hermansschlacht lese ich heute zum ersten Mal.
Das geht mir (fast) wie Dir, Niels: Ich kenne es geläufig nur unter Varusschlacht – hätte aber die Hermann-Schlacht zuordnen können.
Naja, diese Hermann-Verherrlichung mit Errichtung des dazugehörigen Denkmals in der Kaiserzeit kann man ja durchaus kritisch betrachten. Sowas macht sich in Deutschland dann immer am Streit um Namen und Bezeichnungen fest. Rein faktisch sind ja beide Bezeichnungen der Schlacht zutreffend.
Mir ist die Varusschlacht auch als Schlacht vom Teutoburger Wald bekannt aber nie als Hermannschlacht. – Mein Abitur ist nicht ganz 10 Jahre her.
Das Denkmal ist jedenfalls ein schönes Ding.
Ich habe die Schlacht in der Grundschulzeit in den Siebzigern und den daruf folgenden Schuljahren am Gymnasium wenn überhaupt nur als Schlacht am Teutoburger Wald kennen gelernt.
Sicherlich ist dieses Aufeinandertreffen römischer Truppen und einer Sammlung germanischer Stämme unter Führung des Arminius in der deutschen Geschichte eher negativ als positiv belegt worden.
Die These der “Nationwerdung” durch dieses Ereignis halte ich allerdings für gewagt. Denn eine deutsche oder germanische Nation ist dadurch nicht entstanden. Das kam – wenn überhaupt – erst gut 800 Jahre später mit dem Frankenreich, dass seine Macht zunächst auf Rom begründete, also auch wenig Deutsch war.
Das heute als Varusschlacht in den Medien meiner Ansicht nach zu Unrecht so präsente Ereignis ist eher ein geschickter Versuch von Marketingexperten, Jubiläen so oder so aufzuziehen, dass sie Touristen in eine bestimmte Region zu ziehen. Denn: Das Kind muss einen Namen haben.
Der Name Varus könnte in diesem Zusammenhang daher rühren, dass die Römer damals ihre Geschichte schriftlich tradiert haben – anders als die Germanen, die lediglich auf mündliche Überlieferung setzen.
Das ist meiner Ansicht nach aber nur ein Nebenaspekt – alles in allem ist die ganze hysterie ein toursitischer Gag der Neuzeit.